Dackel sind Jagdhunde. Und noch viel mehr!

Schlafender Dackel auf dem Schoß des Personals.

Dackel sind Jagdhunde. Behaupten die Zweibeiner ja gerne. Was mich wieder einmal bestätigt: Menschen fühlen sich offenbar genötigt, immer alles zu pauschalisieren oder in Schubladen packen zu müssen.

Der Chef behauptet, wir Hunde seien in verschiedene Kategorien aufgeteilt: es gäbe z.B. Jagdhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde oder Plüschtier-Hunde. Wer hat diese Aufteilung vorgenommen? Ihr ahnt es: die Menschen. Die Zweibeiner, die ich bisher kennengelernt habe, lieben Regeln und Muster. Zumindest dann, wenn sie für andere gelten. Der Chef besteht ja zum Beispiel darauf, dass ich nur und ausschließlich das fressen soll, was mir aus der Hand eines Rudelmitglieds angeboten wird. Ein Punkt ständiger Diskussionen bei uns – ich bin ja schließlich schon alt genug, um selbst zu entscheiden, wann ich was von wem fressen möchte, finde ich.

Der Dackel soll also ein Jagdhund sein. Vor vielen Jahren wurde damit begonnen, einen Hund zu züchten, der den Menschen bei der Jagd auf Dachse und anderes Getier, das Höhlen unter der Grasnarbe baut, unterstützt. Verstehe ich, Nahrungsbeschaffung ist schließlich nicht nur bei den Zweibeinern ein zentrales Thema. Meine Dackelvorfahren wurden also immer länger und niedriger. Und da sie dort unten alleine jagten, auch immer selbstständiger und unabhängiger. Heute, sagt der Chef, ist das unsere offenbar wichtigste, dackelige Charaktereigenschaft:

Wir Dackel denken mit. Immer.

Müssen wir auch, auch wenn wir gerade nicht jagen. Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen: …und das ist auch gut so. Ich weiß ja ehrlich gesagt nicht, wie mein Rudel ohne einen mitdenkenden Dackel an ihrer Seite bisher überleben konnte. Menschen sind ohne Dackel wirklich zeitweise überraschend hilf- und planlos, finde ich.

Dackel = Jagdhund. Okay. Einen Dachs habe ich bisher noch nie gesehen – aber ich bin ja auch noch jung – und das Trainieren meiner Jagdeigenschaften schadet sicher nicht.

Aber wir Krummbeine sind doch noch so viel mehr!


Ich finde alles, was vor mir wegläuft (oder -fliegt…), sehr, sehr spannend. Und muss natürlich hinterher. Und, obwohl es doch meine Menschen sind, die mich in dieses Schema „Jagdhund“ pressen möchten, finden sie es plötzlich gar nicht mehr so toll, wenn ich meinen Instinkten dann mal nachgebe. Die Zweibeiner sollten das mit dem Jagen auch mal ausprobieren – in dem Moment der wilden Jagd ist mein Kopf wunderbar frei und leer – und hinterher bin ich dann ausgepowert und angenehm erschöpft, wenn auch mangels Beute meist ein klein bisschen enttäuscht. Der Chef regt sich dann aber immer auf und brüllt so unsinniges BlaBla wie zum Beispiel: „Lass den Jogger in Ruhe“, „Hör auf, dem Mofa hinterher zu jagen!“ oder „Luuucyyy! Hiiieeer!“.

Trotz freiem Kopf und Konzentration auf die dann gerade wichtigen Dinge: Hören kann ich eigentlich gut, aber ich setze dann eben Prioritäten. Ist dem Chef dann aber auch wieder nicht Recht.

Als intelligenter Hund von Welt kann ich natürlich auch zählen.

Und ich weiß sehr genau, wer zu meinem Rudel gehört und merke selbstverständlich auch, wenn einer fehlt. Ich habe durchaus begriffen, dass nicht immer alle Rudelmitglieder zur gleichen Zeit am selben Ort sind. Aber ich weiß sehr wohl, ob die Nachwuchsschefs „nur“ in ihren Zimmern sind oder ob sie unsere Rudelunterkunft temporär verlassen haben. Natürlich weiß ich auch, dass sich die Zweibeiner manchmal in diesem geheimnisvollen Badezimmer verstecken und gemeinerweise die Tür dackelunüberwindbar schließen – durch nachdrückliches und energisches Schnauben an der Tür teile ich ihnen dann gerne mit, dass ich weiß, wo sie sind und dass ich selbstverständlich vor der Tür über sie wachen werde. Nicht, dass sich jemand unberechtigt nähert… Am liebsten gehe ich aber sicherheitshalber mit, wenn die Zweibeiner sich in diesen potentiell gefährlichen Raum mit der wasserspuckenden Dusche und dem luftpustenden, dröhnenden Föhn zurückziehen und lege mich mutspendend auf die menschlichen Füße.

Ich wache immer über meine Herde.

Gehen wir auf unsere große Runde nach draußen und vergrößert sich unser Rudel temporär wegen des kommunikativen Bedürfnisses meiner Menschen, erkenne ich meine gewachsenen Aufgaben natürlich sofort und passe auch auf die neu hinzu gekommenen Teammitglieder auf. Leider stoße ich oft auf menschliches Unverständnis, wenn ich dann meiner selbsterkannten Pflicht nachkomme und versuche, diese Gruppe auch zusammenzuhalten und zu verhindern, dass sich diese neuen Rudelteile wieder von der Gruppe entfernen… Wenn ich den verlorenen Zwei- und Vierbeinern dann (kurzzeitig) verzweifelt hinterher weine, ernte ich meist nur völlig ungerechtfertigte Zurechtweisungen seitens des Chefs. Und fühle mich dann extrem unverstanden – ich bin ja eigentlich gerade sehr traurig und fühle mich schuldig, meiner Pflicht nicht optimal nachgekommen zu sein…

Natürlich passe ich auch immer sehr auf, wer sich meinem Territorium (und damit meinen Schutzbefohlenen) nähert. Ob das nun meine Räume hier zu Hause, „mein“ Büro oder meine Brummkiste ist: wer sich unbefugt, unerwartet, ohne für mich erkennbar wichtigen Grund nähert oder auch einfach nur ungerechtfertigten Krach im Hausflur macht, dem zeige ich durch ein sehr, sehr tiefes Knurren überaus deutlich, dass ich hier aufpasse. Der Chef behauptet, dass meine Tonlage beim Knurren mir mindestens zwanzig Zentimeter Höhe/Größe hinzuaddiert – was auch immer er damit meint.

Wenn ich mich auf dem Schoß meiner Menschen zusammenrolle, kann ich wunderbar entspannen und gebe meine Verantwortung auch gerne mal kurzfristig in die Hände meiner Zweibeiner. Sie sind natürlich (noch) nicht perfekt, aber ich wage die Behauptung, dass mir nichts passieren kann, wenn ich ganz eng um einen menschlichen Hals geschlungen oder unter der warmen Bettdecke, fest an ein menschliches Bein geschmiegt, ein Nickerchen mache.

Also: Dackel = Jadghund? Ja, auf jeden Fall. Aber ich bin auch Hütehund, Herdenschutzhund, Wachhund, Plüsch- und Kuschelhund und noch vieles mehr!
Ich denke mit, ich treffe meine Entscheidungen – und von Zeit zu Zeit gebe ich dem Chef ein Zückerchen und befolge seine Empfehlungen (Sitz, Leg dich, Bleib, Nein usw. – er muss ja auch seine Erfolgserlebnisse haben). Positive Verstärkung ist so wichtig in der Menschenerziehung.

Ich bin ein Dackel.

Nahrungsbeschaffung – macht ein Dackel selbst

Eines der wichtigsten Merkmale eines Dackels: die Fähigkeit der selbstständigen Denkens. Wir könnten durchaus auch für uns selbst sorgen, wenn wir uns nicht dauernd um die Zweibeiner kümmern müssten, die mit uns in unserem Haushalt leben. Ich studiere ja nun schon seit gut acht Monaten aktiv Zweibeinerismus und muss feststellen, dass sich dieses Studium glatt zu einer lebenslangen Aufgabe auswachsen könnte.

Der Chef wird ja nicht müde, zu betonen, dass er Dackel so sehr liebt, weil sie eigenständig denken. Auf der anderen Seite scheint er doch häufig so überrascht, wenn ich ihm beweise, dass ich genau diese von ihm doch so geliebte Dackel-Eigenschaft jetzt schon in Perfektion beherrsche…
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Entschleunigen ist wichtig: für den Chef

Der Chef sagt, nun kommt eine Zeit, in der wir alle entschleunigen können, sollen und müssen. Aha. Vielleicht hat er deshalb in den letzten Wochen so ungewohnt viel Stress verbreitet? Damit er diese geheimnisvolle Zeit nun besser würdigen kann? Ich bin gespannt, lasse mich von der in der Luft liegenden Aufregung anstecken und bereit für diese kommenden, offenbar überaus spannenden Tage.

Angeblich bin ich ja nicht ganz unschuldig daran, dass der Chef zuletzt plötzlich noch einmal furchtbar hektisch wurde. Ob es etwas mit dem Paket zu tun hat, das eines Tages mitten im Flur stand und das ich ausgiebig untersucht habe, als ich wieder mal „nur ganz kurz“ alleine zurück gelassen wurde…? Woher sollte ich wissen, ob der Chef auch dieses Mal zu mir zurückkommen würde? Ich sah ihn durch die Tür verschwinden, ohne mich; war doch plötzlich ganz allein, verzweifelt  und offenbar wieder mal von meinem Rudel verlassen worden. Das passiert leider öfter – und bisher sind die Zweibeiner zum Glück immer zurück gekommen. Eine Garantie, dass das immer so ist, habe ich aber ja nicht… Und weil es bisher erst 457mal gut gegangen ist – kann ich mich doch nicht darauf verlassen, dass es auch beim 458en Mal klappt…

Also habe ich natürlich das getan, was ich wirklich gut getan: ich habe mir selbst geholfen und zunächst dieses geheimnisvolle Paket auf mögliche Nahrung untersucht, um aktiv meinem vermutlich drohenden Hungertod entgegenzutreten. 

Gut, das Zerreißen dieser Pappe hat unerwartet großen Spaß gemacht – da war es eigentlich auch gar nicht so schlimm, dass der Inhalt sich als nicht nahrhaft herausstellte. Da ich natürlich aber die Schmackhaftigkeit testen musste, hat der Inhalt des Pakets  nun ein bisschen angefranste Ärmel. Woher sollte ich auch wissen, dass dieses Ding, das so geruchsneutral und echt aufwändig verpackt war, nur ein langweiliger Pullover war? 

Ich finds nicht so schlimm, ich hab ja sofort aufgehört, daran herumzukauen, als ich merkte, dass das nur eins von diesen unspektakulären Dingen war, die sich die Zweibeiner so gerne überziehen. Die paar jetzt losen Fäden kann man doch einfach abschneiden. Die Reaktion des unerwartet zurückkehrenden Chefs fand ich jedenfalls, wie so oft, völlig überzogen. Als ich den Schlüssel in der Tür hörte und realisierte, dass ich offenbar doch nicht endgültig verlassen wurde, freute ich mich so sehr, dass ich sogar ein paar Tröpfchen Pippi verlor. Warum sich der Chef nun darüber wieder erregen musste und hektisch nach einem Handtuch suchte,  ist mir nicht ganz klar – meine letzte Runde draußen war schließlich schon bestimmt zehn Minuten her – und große Emotionen fordern nun mal ihren Tribut.

Aber das war noch nichts im Vergleich zu dem, wie ich finde, viel zu lauten Blabla, das dann folgte, als der Chef meine in mühsamer und äußerst effektiver Arbeit von mir hergestellten Schnipsel sah…

Was auch immer jetzt für eine geheimnisvolle Zeit der Ruhe kommen soll, ich hoffe, dass der Chef sie nutzt und genießt – er scheint sie nötig zu haben…

Zum Glück scheint der Chef ein echt schlechtes Gedächtnis und ein ebensolches Gewissen zu haben (irgendwie gab er sich selbst die Schuld an dem zerstörten Paket, dabei hatte er doch gar nicht mitgespielt…): denn nur kurze Zeit und so ein, zwei treue Blicke vor mir später haben wir beide dann auf dem Sofa gekuschelt.  Zweibeiner sind echt anstrengend und schwer zu verstehen – aber ich mag sie sehr. Vor Allem meine eigenen. 

In diesem Sinne:  entschleunigt Eure Zweibeiner – ich glaube nämlich, die kommenden Tage könnten für uns Vierbeiner noch sehr aufregend werden!