Krumme Beine – Als Dackel hat man´s auch nicht leicht

Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will.

Das zweite Buch von und über Motte ist fertig! Manchmal ist schwer, sich Erinnerungen zu stellen; in diesem Fall hat es mir als Chef geholfen, mit dem Verlust umzugehen und wieder großen Spaß gemacht, Mottes Erlebnisse und (vermeintliche) Gedanken aufzuschreiben.

Bestellen könnt Ihr das Buch, wie auch das erste, bei Onlinediensten, in den meisten Buchhandlungen oder direkt beim BoD-Buchshop.

„Krumme Beine – Als Dackel hat man´s auch nicht leicht“
Anette Höhnke
ISBN: 978-3752809831

Der Chef und das Personal hoffen, dass Ihr auch Freude an Mottes Geschichten habt!

Für Motte – im Herzen für immer bei uns.

 

 

Dackel-Erkenntnis der Woche: Zweibeiner essen komische Dinge

Ich bin gewachsen – bin ja jetzt auch schon mehr als sechs Monate auf dieser Welt! Heute hatte ich ein Aha-Erlebnis, das das Potential zur DackelErkenntnis der Woche hat. Ich habe hier in meinem Rudel schnell gelernt, dass es offenbar Sinn macht, mich selbst um Abwechslung und ausreichende Menge meiner Nahrung zu kümmern. Schließlich bin ich ein junger, heranwachsender Hund (und außerdem ein Dackel!), ich habe immer Hunger (oder zumindest Appetit…). Die Mengen, die das Personal mir zuteilt, sind viel zu übersichtlich.

Erkenntnis der Woche: unaufgetaute Tiefkühlpizza und Dackelmägen vertragen sich nicht.

Manchmal muss ich mit dem Chef ins Büro. Arbeiten. Also: der Chef muss arbeiten. Ich habe dann endlich mal genug Zweibeiner um mich, von denen sich eigentlich immer jemand die Zeit nimmt und mir den Ball über den Flur wirft, ein kleines Kämpfchen mit mir ausficht oder mit mir kuschelt. Von soviel Bespaßung werde ich meist recht müde und ziehe mich in mein Körbchen zurück, in dem ich dann ausgiebige Schläfchen halten kann. Selbstverständlich nehme ich aber auch meine Pflichten im Büro ernst und zähle von Zeit zu Zeit durch, ob auch alle Kollegen da sind. Heute fand ich auf einem meiner Kontrollgänge in einem gerade leeren Büro eine einsame, seltsame Scheibe. Eigentlich roch sie nicht wirklich nach irgendwas – aber da sie definitiv heute morgen noch nicht dort lag, untersuchte ich sie näher.

Ich bin junger, immer hungriger Dackel. Also knabberte ich vorsichtig daran herum. Und je länger ich die Stückchen dieses Dings im Maul hatte, desto mehr Geschmack entwickelten sie – auch wenn sie anfangs echt kalt waren. Zauberei! Leider wurde ich (mal wieder!) vom Chef gestört, der sich, weil es so ruhig war und kein Dackel im Körbchen lag, auf die Suche nach mir gemacht hatte. Natürlich nahm er das komische, nun nicht mehr ganz so runde Ding sofort an sich. War ja klar: da finde ich mal etwas Spannendes – und schon wird es mir weggenommen… Ich war selbstverständlich beleidigt, beeilte mich aber noch, sicherheitshalber schnell die von mir gleichmäßig auf dem Boden verteilten Reste dieses Zauberdings einzusammeln.

Ich mache es kurz: sonst mögen mich im Büro eigentlich alle, aber heute schlug mir plötzlich, zumindest von einem Kollegen, eine etwas eisige Stimmung entgegen. Gut, er hatte nun kein Mittagessen mehr – aber dieses Ding, von dem ich mittlerweile weiß, dass es Pizza genannt wird, lag doch definitiv in meinem für Dackel erreichbaren Hoheitsbereich…

Und außerdem sollte der Kollege mir eigentlich dankbar sein, dass ich ihn vor dem Verzehr dieses Dings bewahrt habe: ich hatte nämlich den ganzen restlichen Tag fiese Bauchschmerzen und musste mir vom Personal den Bauch kraulen lassen.

Die (mit einem irgendwie gemein klingenden Unterton verfassten) Sprüche des Chefs zum Thema „tiefgekühlter Hefeteig ist halt nichts für Dackel“ habe ich erstens nicht verstanden und zweitens aus Gewohnheit ignoriert. Und das Ding wollte der Kollege ernsthaft essen?

Zweibeiner essen manchmal wirklich komische Dinge.

 

Der Dackel in der Hundeschule

Dackel in der Sonne

Die Erziehung des Personals ist wirklich manchmal anstrengend, das weiß jeder Dackel, der sich dieser Herausforderung schon mal gestellt hat. Ich habe meinem Rudel schon einige wichtige Dinge erfolgreich beigebracht und sie haben eigentlich verstanden, dass ich selbstverständlich für gewisse Gefälligkeiten leckere Dinge erwarte. Unterstützung in der Zweibeinererziehung nehme ich natürlich gerne an. Gestern war es soweit: die Zweibeiner besuchten eine Hundeschule – und ich durfte sogar mit! Warum die Zweibeiner einen so unpassenden Namen für diesen Ort gewählt haben, erschließt sich mir noch nicht.

Unterricht in einer Hundeschule haben definitiv die mitgebrachten Zweibeiner nötig. 

Natürlich weiß ich, dass sich meine Menschen total freuen, wenn sie meinen Namen rufen und ich dann zu ihnen komme. Ich bin ja schon froh, dass sie sich endlich auf einen einzigen Rufton für mich festgelegt zu haben scheinen – so weiß ich endlich, welchen Namen ich gekonnt ignorieren muss. Denn natürlich entscheide ich, ob und inwieweit eine Reaktion meinerseits erforderlich ist, wenn ich dieses eine bestimmte Wort „Lucy“ vernehme.

In dieser Hundeschule gibt es aber leider Zweibeiner, die ich gar nicht kenne, die aber echt anstrengend sind und mein angenehmes Leben hier im Rudel echt durcheinanderwirbeln könnten, wenn ich nicht aufpasse. Der Chef hat gestern z.B. von einem dieser Zweibeiner gelernt, mir erst das Leckerchen zwischen die Kiemen zu schieben, wenn ich wirklich richtig und dauerhaft sitzen bleibe. Bisher reichte es ihm doch immer, wenn ich diese Position andeutete und dann vor lauter Freude wieder herumhüpfte…

Pah – das werden wir ja noch sehen, wer hier das letzte Wort behält! Seit gestern ist es jetzt aber (zunächst) leider der Chef: kein richtiges, dauerhaftes Sitz, keine Leckerchen… Wer weiß, wohin das noch führen mag? Am Ende wollen die Zweibeiner auch noch, dass ich auf einem vom Chef bestimmten Ort sitzen bleiben soll… Aber keine Angst, ich bin da durchaus diskussionsbereit.

Ich sag ja: Hundeschule ist ein völlig falscher Begriff! Ich kann ja schließlich schon alles, finde ich. Ich tue es nur nicht blind, bloß weil irgendein Mensch das jetzt toll fände und willkürliche Worte in den Raum wirft. In Dackelkreisen nennt man das Individualität und selbstständiges Denken – und das wird uns Krummbeinern ja quasi in die Wiege gelegt.

Wenn Dackel in die Pubertät kommen, werden die Menschen anstrengend.

Ich darf jetzt plötzlich nicht mehr als Erste durch die Haustür nach draußen stürmen… Bisher erfolgte dann immer nur ein Zug an der langen Leine, die den Chef und mich draußen immer verbindet – bisher war das wunderbar: ich kann nämlich auch ziehen und ein tolles Spiel daraus machen! Nun steht meinem Erkundungsdrang aber plötzlich ein energisch vor meiner Nase aufstampfendes Bein im Weg – okay, da weiche ich dann doch kurz mal zurück. Ich beuge mich also der den Weg versperrenden Übermacht (ich habe ja auch bei diesen Mitteln keine andere Wahl…). Wenn der Chef eben unbedingt selbst erst schauen möchte, was für Gefahren so  da draußen auf uns warten: bitte. Er wird schon sehen, was er davon hat – ich rette ihn dann aber nicht! 

Es gab aber auch Tolles an diesem Ort: ganz viele Hunde in meinem Alter, die endlich auch mal genauso wild auf Spielen, Raufen und Toben waren wie ich. Die Hunde, die wir hier bei uns so treffen, wollen das nämlich immer nicht und sagen mir deutlich, dass schnüffeln okay ist, alles Weitere aber absolut unerwünscht. Langweilig.

Natürlich musste der Chef verstehen, dass ich selbstverständlich hier an diesem Ort selbst entscheide, wann ich genug habe – und das war ganz sicher nicht dann, wenn er aus einer offenbaren Laune heraus meinen Namen in die Menge rief. Nun, wir hatten auch zu diesem Thema eine eher unangenehme Diskussion. Gut, zu Hause funktioniert das und ich komme dann meist zu ihm – aber da gibt es ja auch nicht so viele andere tolle und spannende Dinge wie an diesem Ort. Nebenbei: der Chef war offenbar echt sauer und auch ein bisschen peinlich berührt, dass ich ihn so völlig missachtet habe, das habe ich schon bemerkt und zu natürlich Kenntnis genommen. Klar, zu Hause reagiere ich doch schon aus Langeweile ganz gerne auf seine freundlichen Anfragen, jetzt mal zu ihm zu kommen und mir ein Leckerchen abzuholen. Aber um sein Seelenheil könnte ich mich ja auch später noch kümmern, fand ich in dem Moment. Kuscheln, Dackelblick und hängende Ohren helfen schließlich immer – musste er halt mal ein bisschen warten – ich war doch beschäftigt. Dackel spielt mit anderem Welpen

Leider habe ich aber auch hier zum Schluss verloren (ich bin zwar nicht zum Chef gelaufen – aber meine Spielkameraden haben mich schändlich verraten und waren plötzlich alle weg) – sehr ärgerlich für mich.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Chef in dieser Schule, die doch dem Namen nach eigentlich für uns Hunde gedacht ist, Einiges gelernt hat, was mein Leben hier in meinem Rudel doch etwas anstrengender machen könnte (und das lag sicher auch an diesen anderen Menschen dort!).

Trotzdem hoffe ich, dass wir da nochmal hingehen, denn Spaß hatte ich auf jeden Fall – und, na gut, dann bleibe ich eben solange sitzen, wie der Chef es möchte. Ich mag ihn ja – und wenn es ihn glücklich macht…

Auch wenn ich danach so müde war, dass ich heute Nacht drei Stunden länger geschlafen habe als sonst und auch heute noch ein ganz klein wenig müde bin: ich glaube, der Spaß, den ich dort hatte, ist es wert!

Von Kissen, Prinzessinnen und Erbsen

Ich habe in meinem bisher ereignisreichen, langen Leben, das jetzt immerhin schon mehr als vier Monate dauert, schon einige wichtige Dinge gelernt. Eines davon: Eine der besten Erfindungen der Zweibeiner sind: Kissen! Na gut, es gibt schon noch einiges mehr, was auch prima (und sogar lecker!) ist; aber Kissen sind definitiv in meinem persönlichen Ranking ganz weit vorne! Wer, wie ich, als Welpe immer um einen weichen Schlafplatz kämpfen musste und trotzdem selbst oft als Unterlage „missbraucht“ wurde (im Foto unten seht Ihr einen unserer gewöhnlichen Rudelgeschwister-Hundehaufen), kann dieses weiche Accessoire einer Zweibeinerunterkunft einfach noch mehr wertschätzen.  „Von Kissen, Prinzessinnen und Erbsen“ weiterlesen