Der Dackel in der Hundeschule

Dackel in der Sonne

Die Erziehung des Personals ist wirklich manchmal anstrengend, das weiß jeder Dackel, der sich dieser Herausforderung schon mal gestellt hat. Ich habe meinem Rudel schon einige wichtige Dinge erfolgreich beigebracht und sie haben eigentlich verstanden, dass ich selbstverständlich für gewisse Gefälligkeiten leckere Dinge erwarte. Unterstützung in der Zweibeinererziehung nehme ich natürlich gerne an. Gestern war es soweit: die Zweibeiner besuchten eine Hundeschule – und ich durfte sogar mit! Warum die Zweibeiner einen so unpassenden Namen für diesen Ort gewählt haben, erschließt sich mir noch nicht.

Unterricht in einer Hundeschule haben definitiv die mitgebrachten Zweibeiner nötig. 

Natürlich weiß ich, dass sich meine Menschen total freuen, wenn sie meinen Namen rufen und ich dann zu ihnen komme. Ich bin ja schon froh, dass sie sich endlich auf einen einzigen Rufton für mich festgelegt zu haben scheinen – so weiß ich endlich, welchen Namen ich gekonnt ignorieren muss. Denn natürlich entscheide ich, ob und inwieweit eine Reaktion meinerseits erforderlich ist, wenn ich dieses eine bestimmte Wort „Lucy“ vernehme.

In dieser Hundeschule gibt es aber leider Zweibeiner, die ich gar nicht kenne, die aber echt anstrengend sind und mein angenehmes Leben hier im Rudel echt durcheinanderwirbeln könnten, wenn ich nicht aufpasse. Der Chef hat gestern z.B. von einem dieser Zweibeiner gelernt, mir erst das Leckerchen zwischen die Kiemen zu schieben, wenn ich wirklich richtig und dauerhaft sitzen bleibe. Bisher reichte es ihm doch immer, wenn ich diese Position andeutete und dann vor lauter Freude wieder herumhüpfte…

Pah – das werden wir ja noch sehen, wer hier das letzte Wort behält! Seit gestern ist es jetzt aber (zunächst) leider der Chef: kein richtiges, dauerhaftes Sitz, keine Leckerchen… Wer weiß, wohin das noch führen mag? Am Ende wollen die Zweibeiner auch noch, dass ich auf einem vom Chef bestimmten Ort sitzen bleiben soll… Aber keine Angst, ich bin da durchaus diskussionsbereit.

Ich sag ja: Hundeschule ist ein völlig falscher Begriff! Ich kann ja schließlich schon alles, finde ich. Ich tue es nur nicht blind, bloß weil irgendein Mensch das jetzt toll fände und willkürliche Worte in den Raum wirft. In Dackelkreisen nennt man das Individualität und selbstständiges Denken – und das wird uns Krummbeinern ja quasi in die Wiege gelegt.

Wenn Dackel in die Pubertät kommen, werden die Menschen anstrengend.

Ich darf jetzt plötzlich nicht mehr als Erste durch die Haustür nach draußen stürmen… Bisher erfolgte dann immer nur ein Zug an der langen Leine, die den Chef und mich draußen immer verbindet – bisher war das wunderbar: ich kann nämlich auch ziehen und ein tolles Spiel daraus machen! Nun steht meinem Erkundungsdrang aber plötzlich ein energisch vor meiner Nase aufstampfendes Bein im Weg – okay, da weiche ich dann doch kurz mal zurück. Ich beuge mich also der den Weg versperrenden Übermacht (ich habe ja auch bei diesen Mitteln keine andere Wahl…). Wenn der Chef eben unbedingt selbst erst schauen möchte, was für Gefahren so  da draußen auf uns warten: bitte. Er wird schon sehen, was er davon hat – ich rette ihn dann aber nicht! 

Es gab aber auch Tolles an diesem Ort: ganz viele Hunde in meinem Alter, die endlich auch mal genauso wild auf Spielen, Raufen und Toben waren wie ich. Die Hunde, die wir hier bei uns so treffen, wollen das nämlich immer nicht und sagen mir deutlich, dass schnüffeln okay ist, alles Weitere aber absolut unerwünscht. Langweilig.

Natürlich musste der Chef verstehen, dass ich selbstverständlich hier an diesem Ort selbst entscheide, wann ich genug habe – und das war ganz sicher nicht dann, wenn er aus einer offenbaren Laune heraus meinen Namen in die Menge rief. Nun, wir hatten auch zu diesem Thema eine eher unangenehme Diskussion. Gut, zu Hause funktioniert das und ich komme dann meist zu ihm – aber da gibt es ja auch nicht so viele andere tolle und spannende Dinge wie an diesem Ort. Nebenbei: der Chef war offenbar echt sauer und auch ein bisschen peinlich berührt, dass ich ihn so völlig missachtet habe, das habe ich schon bemerkt und zu natürlich Kenntnis genommen. Klar, zu Hause reagiere ich doch schon aus Langeweile ganz gerne auf seine freundlichen Anfragen, jetzt mal zu ihm zu kommen und mir ein Leckerchen abzuholen. Aber um sein Seelenheil könnte ich mich ja auch später noch kümmern, fand ich in dem Moment. Kuscheln, Dackelblick und hängende Ohren helfen schließlich immer – musste er halt mal ein bisschen warten – ich war doch beschäftigt. Dackel spielt mit anderem Welpen

Leider habe ich aber auch hier zum Schluss verloren (ich bin zwar nicht zum Chef gelaufen – aber meine Spielkameraden haben mich schändlich verraten und waren plötzlich alle weg) – sehr ärgerlich für mich.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Chef in dieser Schule, die doch dem Namen nach eigentlich für uns Hunde gedacht ist, Einiges gelernt hat, was mein Leben hier in meinem Rudel doch etwas anstrengender machen könnte (und das lag sicher auch an diesen anderen Menschen dort!).

Trotzdem hoffe ich, dass wir da nochmal hingehen, denn Spaß hatte ich auf jeden Fall – und, na gut, dann bleibe ich eben solange sitzen, wie der Chef es möchte. Ich mag ihn ja – und wenn es ihn glücklich macht…

Auch wenn ich danach so müde war, dass ich heute Nacht drei Stunden länger geschlafen habe als sonst und auch heute noch ein ganz klein wenig müde bin: ich glaube, der Spaß, den ich dort hatte, ist es wert!

Erziehung á la Dackel: der Chef lernt ein neues Kommando!

Nachdem mich, Lucy, letzte Woche eine doofe Magen-Darm-Geschichte ziemlich mitgenommen hat, geht es mir jetzt wieder gut, so dass ich endlich weiter an der Erziehung meines Personals arbeiten kann. Sie müssen ja noch so viel lernen, meine Zweibeiner! Da es heute Morgen tolles Dackel-Spazierengeh-Wetter war und der Chef und ich endlich mal nicht arbeiten gehen müssen, haben wir eine Runde auf dem Feld gedreht. Das Feld an sich finde ich ja schon toll – aber wenn der Chef sich außerdem noch den schwarzen Beutel umhängt, in dem sich, wie ich mittlerweile weiß, ein offenbar unerschöpflicher Vorrat an leckeren Dingen befindet, dann bin ich noch aufgeregter als sonst. Denn das bedeutet, dass der Chef aufnahmebereit ist für ein neues Kommando. „Erziehung á la Dackel: der Chef lernt ein neues Kommando!“ weiterlesen

Der Chef muss dauernd raus gehen…

Ich sag Euch: mein Leben ist echt anstrengend geworden!

Nicht nur, dass die Zweibeiner irgendwie die Heizung draußen offenbar auf Dauerbetrieb stehen haben; ständig werde ich unter den Arm geklemmt und muss raus in diese unruhige Umgebung… Dabei fühle ich mich hier drinnen doch mittlerweile echt sicher und kenne mich schließlich fast überall schon ganz gut aus. Draußen ist irgendwie jedesmal alles anders – und dort ist auch immer so viel los. Ich bin schließlich kein Adrenalin-Junkie, mir reicht doch eigentlich meine Wohnung. Hier weiß ich jetzt, wo ich meine Zähnchen wetzen kann, wo die so köstlich duftenden Schuhe stehen und wo ich Zerstreuung finden kann, wenn ich das möchte und sich niemand angemessen um mich kümmert. „Der Chef muss dauernd raus gehen…“ weiterlesen