Die große Runde nicht mit dem Chef: gilt nicht.

Entspannter, müder Dackel liegt auf dem Sofa auf dem Rücken

Die große Runde gehört natürlich zu meinen Highlights des Tages. Zu euren auch?
Der Chef muss ja lästigerweise regelmäßig tagsüber mein Hundefutter verdienen, sagt er. Er hat eine prima Regelung mit seinem Chef (oh ja, auch der Chef hat einen Chef – das fand ich in der Tat sehr interessant, als ich das herausfand. Aber das ist eine andere Geschichte). Vormittags ist mein Chef also im Büro, kommt dann nach Hause und nimmt sich ausgiebig Lucy-Zeit – und arbeitet danach im Homeoffice noch ein paar Stündchen weiter. Früher war ich selbst ja auch immer mit im Büro. Aber seit ich erwachsen bin und meine Pflichten mit der lautstarken Zugangskontrolle der Büroräume sehr, sehr ernst nehme, darf ich nur noch in Ausnahmefällen mit. Ehrlich gesagt, finde ich die jetzige Regelung auch selbst wesentlich entspannter. So kann ich in Ruhe mit dem Senior-Chef frühstücken, anschließend meinem Morgen-Schönheitsschlaf frönen und bin fit, wenn der Chef nach Hause kommt und zur großen Runde ruft. Wenn der Chef danach noch arbeiten möchte/muss, ist auch alles gut, denn dann bin ich rechtschaffen müde und wünsche für eine Weile nicht gestört zu werden. Win-win für alle. Alles prima.

Manchmal übernehmen die Junior-Chefs die große Runde

Nun gibt es aber Tage, an denen hat einer der Junior-Chefs frei und dreht die große Runde mit mir. Das finde ich grundsätzlich total super. Abwechslung ist Trumpf! Andere Wege, andere Menschen: toll. Allerdings ist der Chef, der an solchen Tagen dann erst später nach Hause kommt, immer der Meinung, ich sei ja bereits Gassi-technisch ausgelastet. Und er geht einfach nicht noch eine große Runde mit mir. Könnt ihr euch das vorstellen? Ich finde, das geht einfach gar nicht. Gut, manchmal bin ich dann tatsächlich ja echt müde, wenn der Chef nach Hause kommt und meistens bin ich eigentlich auch ganz froh, wenn ich dann meine Ruhe auf meinem Sofa habe. Aber natürlich weiß ich auch: nur die Runde mit dem Chef gilt als große Runde, egal, wie aufregend der Spaziergang mit den Junior-Chefs war. Da würde ich mich selbstverständlich aufopfern, um auch dem Chef seine große Runde zu ermöglichen.

Selbstverständlich bestehe ich also darauf, dass der Chef seiner Verpflichtung nachkommt und mit mir unsere große Runde dreht, wenn er nach Hause kommt. Ich bin ja konsequent und weiß, was es für den Erziehungserfolg bedeutet, Regeln nicht durchgehend einzuhalten! Große Runden mit den Junior-Chefs sind zugegebenermaßen immer ein wenig spannender und aufregender als die tägliche Routine mit dem Chef. Und trotzdem ist es wichtig, auch an des Chefs Gesundheit zu denken und ihn aufzufordern, nun endlich mit mir die Welt zu erkunden!

Der Chef sagt dann aber immer: eine große Runde am Tag reicht!


Ebenso selbstverständlich ist der Chef übrigens der Meinung, dass eine zusätzliche, lange Welteroberungstour mit ihm an solchen Tagen nicht nötig sei; sieben Kilometer mit dem Junior-Chef seien für einen Dackel wie mich an einem ganz normalen Wochentag als große Runde durchaus akzeptabel. Manchmal schiebt er dann zwar einen zusätzlichen, aber doch einfach lächerlich kurzen Gang um den Block ein. Ha! Das gilt natürlich nicht, egal, wie müde ich bin. Es geht ums Prinzip! Und das mache ich ihm dann auch ganz deutlich klar.

Konsequenz ist so wichtig

Ein dauernder Streitpunkt bei uns! Ich kann euch wegen der unbedingt nötigen Konsequenz in der Erziehung eures Personals also auf jeden Fall den Tipp geben: besteht darauf, dass die korrekt durchgeführte große Runde mit eurem Chef stattfindet. Sonst setzt ihr den bisherigen Erfolg eurer Personal-Erziehung aufs Spiel. Ich sage euch:

Gerade beim Hunde-ist Personal die Konsequenz in der Erziehung so wichtig.

Auf leisen Pfoten (ohne Klackern von Hundekrallen)

Dackel versteckt den Kopf hinter einem Kissen

Auf leisen Pfoten können nicht nur Katzen schleichen. Auch wir Dackel sind durchaus in der Lage, uns lautlos (ohne das charakteristische Klackern der Hundekrallen) fortzubewegen, wenn es die Situation erfordert! Wie wir das machen, wird natürlich nicht verraten – die Krummbeine unter uns wissen selbstverständlich, wie es geht. Und die Zweibeiner müssen das nicht wissen.

Es ist natürlich so, dass wir Hunde unsere Krallen nicht aktiv einziehen können wie eine Katze. Gerade, wenn in der heimischen Wohnung kein Teppich, sondern Parkett, Fliesen oder Laminat verlegt sind, kann das Personal häufig am Klackern der Hundekrallen hören, wo wir uns gerade befinden. Und da können die Krallen noch so kurz sein.

Der Chef behauptet ja standhaft, er könne sogar hören, wenn ich außer Sichtweite gerade etwas täte, was eigentlich nicht so richtig erlaubt sei (auf einen Stuhl springen, um den Esstisch zu inspizieren, z.B.). Ich glaube ja eher, er fantasiert sich da etwas zusammen, um seine eingebildete Rolle als Rudeloberhaupt zu untermauern. Nebenbei: bis er in der Küche ist, bin ich längst wieder vom Tisch runter – und solange er mir nichts nachweisen kann, ist es auch nicht passiert. Zum Beispiel bei diesem Kuchen: der Chef behauptet, da seien eindeutig Zahnspuren zu erkennen. Mag ja sein. Aber müssen die dann zwingend von mir sein? Immer diese Unterstellungen. An diesem Tag war mir übrigens zufällig kurz darauf furchtbar schlecht. Der Junior-Chef, der an diesem Tag Geburtstag hatte, war auch mächtig schlecht gelaunt. War ein echt komischer Tag – Zufälle gibts…

Halber Kuchen mit Dackel-Zahnspuren
(Halber) Kuchen mit Zahnspuren

Wie ihr wisst, ist die Erziehung des Personals eine Lebensaufgabe für einen Dackel. Taktikänderungen und Anpassungen gehören da für uns Dackel zum Alltag. Nachdem ich also irgendwann den Eindruck hatte, dass die Durchsetzung meiner Unschuld für mich immer schwieriger wurde, habe ich meine Taktik geändert. Ich schleiche jetzt auf leisen Pfoten, wenn ich ein wichtiges Projekt verfolge, bei dem ich auf keinen Fall von meinen Menschen gestört werden möchte. Erforderte ein wenig Übung, aber nun kann ich völlig unbemerkt in das Zimmer des Senior-Chefs schleichen, um in Ruhe den dortigen Papierkorb zu inspizieren. Als nächstes werde ich das Problem lösen, dass Papier leider immer Geräusche macht, wenn es mit Wonne von einem Dackel zu Konfetti verarbeitet wird. Da nutzt es auch nichts, dass ich auf leisen Pfoten geschlichen bin. Wenn der Chef dann kommt, hilft nur noch der Dackelblick.

(Davon gibt es leider kein aktuelles Foto – der Chef schimpft dann oft und hat das Fotodingens nicht griffbereit. Das hier ist eines der Lieblingsbilder des Chefs und für ihn der Inbegriff vom „Dackelblick“):

Dackelwelpe mit Dackelblick
Dackelblick in Vollendung

Kleine Hunde – je kleiner, desto oho…

Häufig hört „man“ ja das irrige Zweibeiner-Argument, dass kleine Hunde viel einfacher zu handeln seien als große. Ich als Dackel von Welt muss da wohl mal was klarstellen: das stimmt selbstverständlich nicht. Wie ich darauf komme? Nun, zufällig bin ich selbst ein Dackel und damit ein kleiner (niedriger) Hund. Schaut selbst:

Unter den Arm klemmen, wenn das Personal die eventuell mangelnde Erziehung bemerkt

Klar, kleine Hunde sind für die Zweibeiner sicher manchmal praktisch. Es gibt Diskussion über die Richtung bei einem der täglichen Spaziergänge? Oft ist dann das Personal der Meinung: „ich klemm mir den Hund schnell unter den Arm und trag ihn ein Stück – und dann gehts munter weiter“. Ja ja. Als ob wir einzig durch die kurzzeitige Entfernung von der Erdoberfläche vergessen würden, wo wir Hunde eigentlich lang wollten… Natürlich nehmen wir die Durchsetzung unserer Ansicht in dem Moment wieder auf, in dem unsere Pfoten wieder festen Boden berühren. Und ja, natürlich haben wir in diesem meist kurzen Zeitraum nicht vergessen, wo wir ursprünglich lang wollten! Gerade, wenn wir die Umgebung genau kennen…
„In die gewünschte Richtung ziehen“ ist auch sehr beliebt; geht ja bei einem kleinen Hund auch oft ganz gut. Ein kleiner Hund hat der Kraft eines Menschen natürlich nicht so viel an körperlicher Präsenz entgegenzusetzen wie z.B. eine Dogge. Dafür können wir aber echt penetrant und hartnäckig sein – und vor Allem: wir vergessen nichts! Ich kann da aus eigener Erfahrung berichten: im Zweikampf zum Gassi-Weg mit dem Titel „Dackel vs Personal“ hab bisher meist ich, der Dackel, gewonnen. Dauerte manchmal ein bisschen, okay, aber Hartnäckigkeit und Dranbleiben zahlt sich aus! Im Endeffekt gehen wir dann doch da lang, wo ICH hinwollte. Die hohe Schule: dem Personal das Gefühl geben, dass es trotzdem „gewonnen“ hat. Die Wege in meinem Revier kenne ich genau und weiß natürlich, dass ich auch auf Umwegen an mein Ziel komme. Resultat: alle sind zufrieden. Denn das Personal merkt zum Glück oft nicht, wenn es von mir ausgetrickst wird.

Kleine Hunde – so praktisch zum Personal-Selbstbetrug!

Wer kennt es nicht: das Personal nimmt den kleinen Hund in der Wohnung plötzlich und ohne für den Vierbeiner erkennbaren Grund auf den Arm. Ziel des gemeinsamen Wegs ist die Waage. Das Personal stellt sich mit Hund auf die Waage, schluckt kurz, teilt das angezeigte Gewicht dann aber durch zwei und ist plötzlich sehr glücklich. Was genau das jetzt mit uns kleinen Hunden zu tun hat, hab ich noch nicht begriffen; ist aber auch egal. Glückliches Personal ist immer gut!

Ausnahmen gibt es natürlich auch: Sofas und Betten sind immer zu klein für kleine Hunde (laut Meinung meines Personals)

Wer jetzt denkt, ein kleiner Hund nähme immerhin auf dem Sofa oder im Bett nicht viel Platz weg, dem sei gesagt: FAIL.
Je kleiner der Hund, desto größer ist der Platzbedarf auf menschlichen Möbeln. Sagt der Chef. Ein einziger Dackel kann auf einem Dreier-Sofa durchaus so viel Platz einnehmen, dass für das menschliche Personal nur noch sehr raumreduzierte Restplätze an den Rändern bleiben. Wenn wir es gut meinen, gönnen wir dem Personal ein wenig mehr Platz und wickeln wir uns dann gnädig um die Menschenbeine oder legen uns auf dieselben – das ist aber kein Standard und sollte vom Personal immer als „außergewöhnliche Gunst“ verstanden werden! Wird es aber eher selten, auch hier spreche ich aus Erfahrung.
Im Bett gelten natürlich noch mehr ungeschriebene Dackel-Gesetze: „wenn der Dackel da schon liegt, leg dich gefälligst drum herum“, dicht gefolgt von „wenn der Dackel da liegen möchte, wo du gerade liegst -> weiche!“ Es gibt selbstverständlich noch mehr Dackel-im-Bett-Gesetze, aber das würde jetzt hier zu weit führen. Ein Dauerthema… zumindest bei uns.

Kleine Hunde sind oft ganz schlecht erzogen – sagen viele Zweibeiner

Nun ja. Wen wundert so eine Aussage? Uns kleine Hunde jedenfalls nicht. Große Hunde flößen dem Personal oft Respekt ein – einzig durch deren Körpermasse. Wir kleine Vertreter unserer Art nutzen die menschlichen Schwächen und die Nachteile unserer körperlichen Unterlegenheit oft einfach gezielter (böse Zungen behaupten ja: hinterhältiger) aus – wir kennen es ja nicht anders, durch unsere Kleinheit können wir uns ja nur durch Hirn durchsetzen.
Und wenn dann noch die Charakterstärke eines Dackels und im Notfall der berühmte Dackelblick dazukommt… Hauptgewinn. Für uns. Perfekt.

Dackel Lucy im Bett. In ihrem Bett. Menschen nur auf schriftlichen Antrag.