Wenn einer eine Reise tut…

… dann kann er viel erzählen!
Motte war unterwegs, eine Woche an der Nordsee – und erzählt selbst, wie es war:

Irgend etwas war an diesem Morgen anders.
Der Chef wurde, wie fast jeden Tag, ziemlich früh am Morgen ziemlich ungemütlich, zog mir die kuscheligen Decken weg, die ich in mühevoller Nachtarbeit sorgsam um meinen ausgestreckten Körper gefummelt hatte. Ich musste hinaus ins feindliche Leben – nun gut, das ist ja immer ein echtes Highlight, wenn auch zu dieser früher Stunde eigentlich eher unnötig, finde ich. Aber ausgiebig „Zeitung lesen“ und anschließend lecker frühstücken ist dann doch okay. Doch an diesem Morgen war alles ein wenig anders – schon allein, weil die Portion Futter in meiner Schüssel doch sehr zu wünschen übrig ließ. Da der Chef anschließend wie irre durch die Wohnung lief und alle möglichen Dinge zusammen suchte und in den großen Koffer packte, war mir klar: hier passiert etwas. Wachsam, wie ich nun mal bin, folgte ich dem Chef auf Schritt und Tritt – was ihm nicht unbedingt gefiel, glaube ich. Aber meine ich-klebe-an-dir-wie-durch-ein-Gummiband-verbunden-Taktik hatte Erfolg: ich wurde zwar nicht in den Koffer gepackt, obwohl ich meinen Wunsch deutlich kund tat, aber dennoch nicht vergessen.

Gut, ich musste in die dumme Blechbüchse steigen. Was tut man nicht alles… Manchmal muss dackel einfach Prioritäten setzen.
Als uns die Brummkiste wieder ausspuckte, staunte ich nicht schlecht: wir waren an einem völlig anderen, aufregenden Ort! Wiesen, fremde Gerüche, die mir aber irgendwie bekannt vorkamen (der Chef sagte, wir waren schon oft hier!), ein Haus mit vielen Zimmern und alle Menschen, die ich so sehr liebe, um mich herum: sogar der Opa, die Tante und die Großtante waren dort. Der Chef seufzte: „Endlich Urlaub!“

Und meine Decken waren auch da! Und ein riesiges Körbchen, das ich nicht kannte, aber natürlich sofort meins wurde.

Und ich verstand die Nervosität, die den Chef geplagt haben musste: es war einfach wunderbar dort! Ich durfte stundenlang auf der großen Wiese herumlaufen, auf der es so gut nach Kaninchen, Hühnern und anderen spannenden Dingen roch. Und ich hatte offenbar ein neues Territorium – alles meins! Selbst, wenn ich gerade mal gar nicht auf mein Schnüffel-Recht bestand, „zwang“ mich der Chef in meinen großen Garten. Nasses oder auch taufeuchtes Gras ist übrigens eher unangenehm am Bauch, daher gab ich mir große Mühe, auf allen vier Beinen zu laufen – was meinem Chef aus mir unerklärlichen Gründen Tränen in die Augen trieb (das ausgiebige Wälzen in Hühnerkacke ist übrigens dackeltechnisch unbedingt zu empfehlen, mit Rolli ist das ja leider nicht möglich – auch wenn der Chef das, wie so vieles, nicht ganz so entspannt sieht und eine dann anschließende Dusche folgt. Egal – das war es wert!).

 

Fast hätte ich sogar ein großes Geheimnis gelüftet:

Ich kann ja eigentlich meine Blase wieder ein wenig kontrollieren (aber psst… Das wissen meine Menschen nicht. Glaubt eh keiner von den Zweibeinern – denn ich bin ja seit zwei Jahren offiziell hinten gelähmt). Wenn ich Gelegenheit bekomme, mich zu entleeren, dann tue ich es auch – und selbstverständlich weiß ich, dass dies vom Chef eigentlich nicht in der Wohnung, sondern „draußen“ gewünscht ist.

Aber, ganz ehrlich: wenn ich merke, dass ich muss, ist die Zeit schon ziemlich knapp. Dem Chef deutlich machen, dass es nun Zeit wäre, in den Rolli gepackt werden, drei Stockwerke herunter und dann noch die Strecke bis zum ersten Grün vor dem Haus: schaffe ich nicht. Spätestens, wenn ein unbedachter Druck auf meine Blase kommt, passiert mir ein Malheur.

An diesem wundervollen Ort (er heißt übrigens „Urlaub“) war eine riesengroße Wiese direkt vor der Tür. Wenn ich nach meinem wohlverdienten Schläfchen erwachte, wurde ich sofort liebevoll gepackt und in kürzester Zeit mitten auf das Gras gesetzt. So schnell – da war meine Blase noch gar nicht richtig wach. Manchmal wurde ich sogar geweckt (fand ich nicht so gut). Aber da es draußen so viel zu entdecken gab, hatte ich keine Zeit für schlechte Laune. Nach ein paar Tagen hatte ich kapiert, dass der Chef sehr empfänglich für meine Wünsche war. Wann immer ich ihn anstupste, trug er mich nach draußen und freute sich furchtbar, wenn ich mich dort erleichterte. Menschen sind echt seltsam: sie freuen sich, wenn ich pinkeln muss… Warum auch immer, ich merkte natürlich schnell, dass sich mein ganzes Rudel unbändig freute, wenn ich der Meinung war, mal wieder auf der Wiese nach dem Rechten sehen zu müssen (und, wenn ich schon mal da war, auch gleich Pippi machte). Irgend jemand brachte mich immer nach draußen. Manchmal sind Menschen wirklich leicht zu erziehen – zumindest, wenn auch sie dieses „Urlaubsfeeling“ haben. Von mir aus können wir das gerne zu Hause fortsetzen. Der Chef hat es ja schon versucht – mault aber immer, wenn er dann das Treppenhaus putzen und mit Desinfektionsspray benetzen muss. Ich glaube, er weiß, dass der Zeitraum zu Hause zwischen „ich muss mal“ und Erreichen von „draußen“ für mich zu lange dauert. Der Chef sucht nach einer Lösung, das habe ich schon mitbekommen und ich hoffe sehr, dass er irgendwann erfolgreich ist. Wenn es „muss“, mache ich auch auf meine Kuschel- oder Pinkeldecken – aber, ganz ehrlich, Kollegen, so toll ist das nicht. Es müffelt. Finde ich ja eigentlich gar nicht gut.

Ich war also offenbar im Paradies.

Gut, das Gras hätte gerne etwas trockener sein können. Und die blöde Leine fand ich auch sehr störend. Der Chef verzichtete zu meiner Freude manchmal darauf. Sobald ich mich aber auf die Verfolgung einer spannenden Fährte machte, wurde er überraschend hektisch. Ihr glaubt ja nicht, wie schnell so ein Mensch rennen kann – aber ein Dackel ist natürlich schneller. Selbst ein gehandicapter. Ich habe heimlich trainiert – und das nasse, ungemütliche Gras am Bauch überzeugte mich davon, eher zu laufen als zu robben. Ich war selbst überrascht, wie gut das klappte. Übrigens stellte ich auch fest, dass Pippi-machen in gehockter Stellung wesentlich angenehmer ist, als „einfach laufen lassen“, wie ich es im Rolli immer praktiziere. Aber auch viel anstrengender. Dennoch, die unbändigen Freudenausbrüche des Chefs überzeugten mich. Die paar Sekunden Anstrengung und Stehenbleiben brachten mir (in diesem Moment unerwartete und eigentlich nicht unbedingt gewollte) Streicheleinheiten – und köstliche Baconstückchen. Dafür lohnt sich jede Mühe, finde ich.

Soll ich Euch zeigen, wie toll ich eigentlich laufen kann?

Eine ganz tolle Sache: der Strand. Echt anstrengend, im Sand zu laufen, ich sag´s Euch.

Nasser Sand am Bauch ist doof. Also musste ich auch hier wieder etwas von meinem bisher geheimgehaltenen Können preisgeben und laufen. Aber es hat sich gelohnt: Strand ist ja so spannend! Es riecht seltsam – ganz anders als im gewohnten Wald oder im Feld.

Leider durfte ich mein Können immer nur kurz zeigen. Der Chef outete sich als echter Spielverderber. Immer, wenn ich gerade meinen Rhythmus gefunden hatte, musste ich entweder in den Rolli oder unter die (zugegeben) warme, kuschelige Decke. Der Chef murmelte was von vorsichtig, nicht übertreiben und Rücksicht auf den Rücken. Pah – ich spüre in meinen Hinterbeinen doch nichts, wo soll denn da ein Muskelkater schmerzen? Außerdem bin ich ein Dackel – ich mache immer weiter. Aber gut, die Ruhepausen waren dann doch recht angenehm, vor allem, weil der Chef mir abends ein wunderbar warmes, allerdings verführerisch raschelndes Säckchen mit warmen Kirschkernen auf den Rücken legte. Der Chef sagt, meine Hinterbacken hätten Muskeln bekommen. Kann ich nicht beurteilen, ist mir auch nicht wirklich wichtig. Aber da das Rudel darüber geradezu begeistert ist und mich mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit geradezu überschwemmt (komische Zweibeiner – ich hab doch gar nichts gemacht, was eine Belohnung verdient hätte…?) – aber gut, ich nehme ja alles Lob (vor Allem in Futterform) gerne an.

Apropos Futter: das Rudel ernährte sich im Urlaub überwiegend von Fisch. Mag ich auch! Sehr sogar – gehört zu meinen absoluten Lieblingsspeisen. Zum Glück sind die Nachwuchschefs nicht so geübt im Essen von Krabbenbrötchen, da fällt immer etwas herunter. Hmmmm. Da könnte ich mich fast vergessen und ganz offensichtlich um etwas betteln. Mache ich als Dackel mit gut erzogenem Personal aber selbstverständlich nicht – ist ja nicht nötig. Selbst im nach köstlichen Futter duftenden Restaurant lag ich ganz brav und still auf meiner Decke neben den Cheffüßen. Ich wusste ja, der ein oder andere Leckerbissen wurde vom Chef erfragt und war dann später mein kulinarisches Highlight des Tages. Erziehung ist so wichtig. Gerade, wenn es um Menschen geht. Kann ich gar nicht oft genug betonen.

Leider habe ich selbst nicht einen einzigen Fisch gefunden. Das Wasser war immer weit weg, wenn wir am Strand waren. Es gab nur Pfützen, die ja eigentlich zu meinen bevorzugten Wasseraufnahmequellen gehören – aber diese hier schmeckten definitiv und ausnahmslos scheußlich (und ich testete sie alle). Ich ahnte es aus den bisherigen Aufenthalten am Strand bereits, musste aber natürlich erneut probieren. Das ungehemmte Kichern des Chef s (vermutlich über meinen Gesichtsausdruck) ist mir hier keinen weiteren Kommentar wert.

Trotzdem finde ich Strand toll. Anstrengend, aber es gibt so viel zu sehen.

Menschen, andere Hunde (die offenbar unbedacht hinaus Richtung Wasser liefen und die ich selbstverständlich zurückrufen musste), Muscheln, Sand und diese seltsam schmeckenden Wasserpfützen.

Sand finde ich persönlich übrigens eher unlustig – Mäuschen (oder Kaninchen) suchen stellte sich als sehr anstrengend heraus. Zwar konnte ich den Sand schnell wegbuddeln, hatte ihn aber anschließend in der Nase, in den Augen und sonstwo. Nicht schön. Da ich mit meinen Hinterbeinen nicht kratzen kann, versuchte ich, die Körnchen durch Reiben des Kopfes auf dem Boden zu entfernen. Irgendwie nicht wirklich erfolgreich. Trotzdem fand ich es sehr anregend dort – die aufgestellten Strandkörbe hätte ich gerne näher untersucht – es raschelte dort (hinter den blöden, die Sicht verdeckenden Holzplanken) überaus interessant.

Es war eine tolle Zeit – auch wenn ich (vor allem wegen der doofen, langen Fahrt in der brummenden Blechkiste) sehr froh bin, nun wieder meine vertraute Umgebung um mich zu haben. Eine Wiese in direkter Erreichbarkeit wäre so toll – ich hoffe, dass der Chef Erfolg bei seiner Suche hat. Und den Strand besuche ich nächstes Jahr wieder – der Chef hats versprochen!

Bis dahin freue ich, wieder zu Hause zu sein und erhole mich – mein eigenes Sofa ist das Beste.. 😉

Mottes Worte.

Wenn Ihr auch Lust auf Wiese, Strand und Meer an der Nordsee habt: wir fahren seit Jahren hier   (Ferienhof Finekenst in Mederns/Wangerland) hin.

Erfahrungen von uns könnt Ihr auch hier nachlesen – wir gehören ja zu den Wiederholungstätern – nicht zuletzt wegen den unglaublich herzlichen Gastgebern!

Wenn Ihr dort bucht und das Codewort „Motte“ nennt, bekommt Motte auf den nächsten Urlaub einen Nachlass. Ihr Dank ist Euch gewiss!

3 Antworten auf „Wenn einer eine Reise tut…“

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