Vorweihnachtszeit oder: Vorfreude ist ansteckend

Warum wärmt und scheint die Sonne eigentlich zur Zeit nicht mehr so, dass ich stundenlang auf meinem Lieblingsplatz auf dem Balkon brutzeln kann? Warum ist es plötzlich morgens bei meiner ersten Runde so dunkel, dass ich die Leuchtdinger als Halsband tragen muss (die mag ich nicht!)? Ungefragt bekam ich eine Antwort: es ist Herbst; jetzt beginnt bald die Vorweihnachtszeit. Aha. Na dann… Immerhin läuft die Fußbodenheizung.

Moment. Weihnachten? Das war doch dieses großartige Event, an dem alle Zweibeiner, die ich besonders mag, an vielen Tagen gaaanz lange zusammen sind (und mir entsprechend oft meinen Lieblingsball oder den Wobbler mit leckeren Dingen füllen, weil sie ob der ausgiebigen, gemeinsamen Zeit vergessen, wie oft „der Dackel“ jetzt schon was von wem bekam…). Dann kann ich auch eine Zeitlang mit den ungeliebten äußeren Umständen leben. Vorfreude ist schließlich ansteckend.

Außerdem gibt es an diesen besonderen Tagen, die bald kommen und auf die sich die Zweibeiner offenbar freuen, auch für mich immer einen besonderen Spaß: Berge von zusammengeknülltem Geschenkpapier!

 

 

Ich darf dann das Papier in winzigkleine Schnipsel zerlegen – und vor allem die Nachwuchsschefs feuern mich an, verpacken manchmal sogar extra leckere Dinge darin und freuen sich über meinen exorbitanten Einsatz!

Neulich habe ich in wachsender Vorfreude das Gleiche mit einem Brief gemacht, der irgendwie und auf eine seltsame Weise, an die ich mich nicht genau erinnere, den Weg vom Couchtisch zwischen meine Zähne fand (gut, er roch nach nix – aber das musste ja nicht unbedingt etwas heißen…).

Der Chef war überhaupt nicht erfreut, als er die Ergebnisse meiner hingebungsvollen Arbeit sah – ganz im Gegenteil. Gemault hat er mit mir! Dabei konnte er doch eigentlich gar nicht wissen, dass die in der gesamten Wohnung verstreuten konfettigroßen Papierstückchen mein Werk waren. Und obwohl er dann eine ganze Weile auf den Knien auf dem Boden herumrutschte, war er offenbar nicht in Spiellaune. Glaubt mir, ich habe es wirklich versucht; habe ihm sogar selbstlos ein noch nicht angemessen verkleinertes Stück hingehalten. Und dann gezeigt, wie toll und befreiend es ist, in wildem Kampf dieses Papierstück in Mikropartikel zu zerlegen. Aber wie so oft war der Chef verbohrt und wollte meine Botschaft wohl nicht verstehen: er schaute mich grimmig an und wurde mit seinem Blabla sogar laut, murmelte was von „wichtig“ und „Brief, kein Dackelspielzeug!“.

Nun ja – Vorfreude auf Weihnachten sieht doch irgendwie anders aus, denke ich. Der Zweibeiner offenbart ein neues, weites Erziehungsfeld.

Menschen… Weihnachten freuen sie sich, wenn ich mit dem Geschenkpapier meinen Spaß habe. Der unbedeutende Unterschied, dass mir an diesen Tagen das Papier von den Zweibeinern zugeteilt wird und ich mich nicht selbst um meine Zerstreuung kümmern muss, kann ja nicht so dramatisch sein. Es geht doch um die Sache an sich! Nun gut, vermutlich hatte der Chef einen anstrengenden Tag oder wieder eine seiner seltsamen Launen, die kein Hund versteht. Ich habe mich dann lieber zurück gezogen – wenn der Chef diesen Gesichtsausdruck hat, geht hund ihm besser aus dem Weg – ist gesünder für uns beide.

Heute Abend lade ich ihn besonders herzlich zum Kuscheln auf meinem Sofa ein – ich denke, es wird ihn besänftigen, wenn ich ihm ein wenig mehr Platz als gewöhnlich einräume. Und dann träumen wir beide von Weihnachten. Und freuen uns gemeinsam.

 

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