Update: Motte geht es besser! Sie erzählt selbst, wie es ihr ging

War das eine Woche!
Da es mir wieder besser geht, kann ich Euch auch wieder selbst erzählen, was ich erlebt habe.
Normalerweise behalte ich solche Kleinigkeiten wie Rückenschmerzen ja für mich. Ich muss das Rudel damit nicht belästigen – und ich darf natürlich keine Schwäche zeigen, um meinen mühsam gefestigten Platz als Nummer eins nicht zu gefährden. Aber, so ungerne ich es zugebe, letztes Wochenende ging es mir wirklich schlecht.
Ich weiß ja aus Erfahrung, dass der Chef zaubern kann. Schließlich ist er offenbar der Herr über die fantastischen schmeckenden Sachen in dem Ding, das sich Kühlschrank nennt, er kann meine Kuscheldecken ins kürzester Zeit wieder neutral riechen lassen und uns mit Hilfe dieser Blechbüchse von einem Ort zu einem völlig anderen Ort bringen.

Also beschloss ich, mich ihm doch zu offenbaren. Und er verstand. Aber er reagierte natürlich wieder einmal ganz anders, als ich es erwartete. Er hätte doch einfach nur meine Rückenschmerzen wegzaubern sollen. Statt dessen packte er mich in die brummende Blechbüchse mit den vier Rädern. Ausgespuckt wurden wir an diesem seltsamen Ort, an dem es immer nach vielen Tieren riecht und den der Chef Tierarzt nennt. Nun, ich war diesmal wirklich zu sehr mit mir beschäftigt, um mich darüber aufzuregen. Das fiel übrigens sogar dem Chef auf: ich maßregelte nicht, wie sonst, alle anderen anwesenden Vierbeiner, sondern verkroch mich auffällig still hinter seinen Beinen. Untersuchungen beim Tierarzt finde ich zwar nicht prickelnd, aber eigentlich erträglich, denn meist beschäftigen sich die Zweibeiner mit meinem hinteren Teil, in dem ich ja seit ein paar Jahren nichts mehr spüre. Und hinterher gibt es diese köstlichen kleinen Leckerchen – dafür kann ich schon ich auch mal ein paar Minuten auf dieser rutschigen, kalten Bahre ausharren. Diesmal allerdings drückte und zog der Mann an mir herum – und ich merkte es nicht nur, nein, es tat richtig weh! Da ich mich sicherheitshalber dicht an den Chef geschmiegt hatte, bemerkte ich die Tropfen, die auf meine Nase plumpsten. Ich sah hoch – der Chef weinte! Warum, fragte ich mich. Ich hatte doch die Schmerzen. Moment, überraschend! Ich merkte das Ziehen und Drücken – und auch, dass mich der sonst eigentlich gar gar nicht so unfreundliche Mann, der sich Tierarzt nannte, mit einer Nadel in meine Hinterbeine stach. Wie gemein von ihm! In diesem Moment hätte ich ihm gerne mal gezeigt, dass meine Zähne auch pieksen können, wenn sie sich in die dünne Haut drücken, die seine peinigende Hand umschließt… Aber ich musste mich zuerst um den Chef kümmern – er weinte ja! Ein Dackel setzt da Prioritäten. Die Tatsache, dass ich in meinem hinteren Bereich wieder etwas spürte, habe ich nebenbei zur Kenntnis genommen. Da es aber unangenehme Gefühle waren, die ich wahrnahm (Schmerzen), habe ich das gleich wieder in die Schublade mit der Aufschrift „später drüber nachdenken“ abgelegt. Braucht ja schließlich kein Hund.

Der Chef machte mir mehr Sorgen. Normalerweise kann ich in ihm lesen wie die Zweibeiner in einem Buch. Diesmal waren seine Signale aber absolut durcheinander.

Menschen – noch nicht mal das können sie. Und wundern sich, dass wir Hunde sie nicht deuten können…

Ich vergaß sogar meine Schmerzen kurzzeitig – bis zu dem Moment, in dem mir der bisher ja eigentlich immer ganz nette Tierarzt mit einer fiesen Spritze mehrfach genau dahin piekste, wo es so richtig schlimm wehtat. Tolle Hilfe. Das Bild von Dackelzähnen, die sich in eine Menschenhand bohren, blitzte vor meinen Augen jetzt sehr deutlich auf. Gemeinerweise lag mein Kopf aber in den liebevoll haltenden Händen des Chefs. Und der Moment der Reaktion war (zum Glück für den mich peinigenden Tierarzt) schnell vorbei.

Damit hatte ich es überstanden – dachte ich in meinem dackeligen Leichtsinn. Ich sahnte noch schnell einige Leckerchen ab und machte mich auf den Weg zur Tür, sobald meine Pfoten wieder den sicheren Boden berührten.

Ich kenne die Abläufe. Der Chef steht noch kurz an der Theke im Eingangsbereich, zückt sein Portemonnaie und dann öffnet sich endlich die Tür in die tierarztlose Freiheit. Auch an diesem Tag saß ich selbstverständlich wie immer schon vor der Tür – als der Chef mich auf den Arm nahm und wieder zurück ins Wartezimmer zwang. An diesem Tag war aber auch wirklich nichts wie sonst – ich war verwirrt. Immerhin ließen die Schmerzen in meinem Rücken nach – war doch prima. Ich war fast wieder hergestellt, da draußen wartete eine Welt auf mich, die ich erobern musste – und wir saßen dumm und untätig in diesem langweiligen Wartebereich herum…

Dann erschien uns plötzlich eine Frau, die uns mitnahm in einen Raum, mich schon wieder auf eine dieser blöden Pritschen setzte und begann, an mir herumzudrücken. Eigentlich war das ganz angenehm, was sie da tat – aber ich hatte erstens einfach keine Lust mehr, in diesem Etablissement zu verweilen und musste ja zweitens immer auf der Hut sein. Der Chef benahm sich heute so seltsam, die Frau kannte ich nicht und ich wusste ja auch nicht, was sie mit mir vorhatte. Sie drückte und zog an mir herum – seltsam – ich konnte es spüren. Diese Teile von mir spürte ich an sich ja schon lange nicht mehr – erst jetzt wieder – und da taten sie mir weh. Braucht kein Hund. Ich gab mir wirklich alle Mühe, den Zweibeinern verständlich zu machen, dass ich nun wirklich keine Lust mehr auf Menschengesellschaft hatte.

Und tatsächlich, sie verstanden es. Menschen sind ja eher langsam, was das Verständnis von eigentlich eindeutigen Hunde-Signalen angeht – aber das weiß ich ja. Was zählt, ist das Ergebnis. Ich wurde also endlich entlassen – und wieder in die komische Blechbüchse gepackt. Ich wusste wirklich nicht, ob ich mich darüber jetzt freuen oder eher empört sein sollte.

Für diesen Tag hatte ich dann auch erstmal genug von menschlicher Gesellschaft. Zu Hause angekommen, zog ich mich erstmal zurück – ich hatte ja auch genug, worüber ich erstmal nachdenken musste.

Natürlich war ich aber nicht so beleidigt, das ich menschliche Friedensangebote in Form von Leckerchen nicht annehmen würde. Ich weiß, dass es einige Hunde-Kollegen gibt, die sogar da konsequent sind. Nun, ich sehe das anders. Leckerchen sind doch köstlich – und ich sehe keinen Grund, diese nicht annehmen zu sollen. Ändert ja nichts an meiner an sich beleidigten Grundeinstellung.

Fressen geht immer.

Und die Erfahrung hat gezeigt: je schlechter das Gewissen der Menschen, desto reichhaltiger und köstlicher die Leckerchen. Warum also sollte ich darauf verzichten? Also: annehmen, schlucken und sofort wegdrehen, um meine immer noch berechtigte und beleidigte Grundhaltung zu zeigen.

Am nächsten Tag ging es mir, von mir völlig unerwartet, viel schlechter.

Sollte ich mich im Chef getäuscht haben? Hatte er das Zaubern verlernt? Er hatte mir durch diesen Besuch in dieser Tierarztpraxis offenbar noch mehr Schmerzen verursacht, als ich vor dem Besuch hatte. Der Chef murmelte was von Muskelkater. Kater? Katzen? Hier in meinem Territorium? Das wurde ja immer schlimmer.

Selbstverständlich bestand ich auf die mir zustehenden Runden draußen, stellte aber recht schnell fest, dass mir alles wehtat und wollte sofort wieder nach Hause und auf mein Sofa. War der Chef selbst schuld – sollte er doch sehen, wie er das regelte. Ich bewegte mich jedenfalls keinen Meter (außer dem kurzen Sprint zu den Damen vom benachbarten Friseur – da gibt es immer was Leckeres für mich – dafür funktioniert auch ein kurzer, beherzter Lauf). Der Chef kapitulierte vor meiner Bewegungsverweigerung  er hatte ja auch irgendwas von langsam machen gesagt…), schimpfte nur leise vor sich hin – nun gut, eigentlich hatte ich ja auf die Runde bestanden – und dann beschlossen, dass es doch doof sei.

Zwei Tage später merkte ich erfreulicherweise im Rücken keine Schmerzen mehr – es ging mir viel besser!  Ob es an den Pieksern dieses Mannes in der Tierarztpraxis lag, an den leckeren Salami-Scheiben, die der Chef mir einmal am Tag kredenzte (okay, eine Scheibe schmeckte immer etwas seltsam, als ob da etwas wurstfremdes drin eingerollt war – egal. Ich schlang sie herunter, wann gibt es sonst schon mal Salami für den Dackel…? In diesem Haushalt definitiv viel zu selten.).

Ich lief, wie immer, in der Wohnung ohne Rolli, fand es zwar ein wenig seltsam, dass mir mein geliebter Ball mit Leckerchen gefüllt wurde, er aber dann nicht zum Jagen und Fangen geworfen, sondern mir direkt vor die Nase gelegt wurde. Na gut – auch recht. Hauptsache, gefüllt und köstlich.
Und dann fuhren wir erneut zu diesem Tierarzt. Diesmal trafen wir nur die Frau, nicht den Mann, dessen Hände mich zuletzt so zu gewaltbereiten Bildern animierten. Und was soll ich sagen: dieses Treffen war so angenehm! Ich wurde gestreichelt, sanft massiert, in die Länge gezogen – und es tat so gut! Trotzdem war ich natürlich nicht bereit, mich wirklich zu entspannen – als Dackel bin ich immer auf der Hut – ich weiß ja nie, was da noch kommen mag…

Gemeinerweise lag ich während dieser Massage auf einer Magnetfelddecke. Die kenne ich von zu Hause – ich kann die Augen dann kaum offen halten, denn das finde ich wirklich einfach zu schön und entspannend. Meinem Rücken geht es besser, die Schmerzen haben deutlich nachgelassen – auch wenn sie noch nicht ganz weg sind. Dafür merke ich seit drei Jahren zum ersten Mal meine Hinterbacken wieder – für mich irgendwie beängstigend. Zum Glück tun sie nicht weh – es ist aber trotzdem irgendwie seltsam neu für mich.

Der Chef ist ein wenig nervend in letzter Zeit – er beobachtet mich, egal, was ich tue. Ich merke das natürlich und finde das, ehrlich gesagt, nicht so prickelnd. Wer mag es schon, unter Dauer-Observation zu stehen…? Ich habe doch auch meine Privatsphäre.

Aber auf den nächsten Termin mit dieser Frau freue ich mich – sie ist sehr nett, entspannt meine Beine und meinen Rücken und gibt mir außerdem immer mehr Leckerchen zum Abschied, als es der Tierarzt tut. Da nehme ich auch mal die Fahrt in dieser an sich ungeliebten Blechbüchse auf mich.

Nächste Woche ist es wieder so weit – da sehe ich sie wieder. Und vielleicht (und wirklich nur vielleicht) entspanne ich mich dann mal, wenn sie an mir herumdrückt. Natürlich nicht, weil es mir gut tut, sondern weil ich merke, dass es dem Chef helfen würde. Und für meinen Chef tue ich so Einiges.

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