Stress beim Hund – oft schwer zu erkennen…

Zur Ruhe kommen ist schwierig, wenn man halt zufällig ein Hund ist und auf dieser Welt so viel zu entdecken und zu verarbeiten hat…

Als zivilisierter Hund kann „man“ („hund“) sich nicht mehr rein auf die Instinkte verlassen. Oft gibt es äußere Umstände, die ungewohnt, aufregend, traurig oder fordernd sind – und diese Umstände sind nicht haus- oder hund- gemacht, sondern basieren auf Situationen, die im Zusammenleben mit den allgegenwärtigen Zweibeinern oder auch anderen Vierbeinern basieren. Damit muss so ein Hund erst mal klar kommen. Das verursacht Stress beim Hund.

Was machen Menschen, wenn sie Stress haben?

Richtig, sie tun völlig unterschiedliche Dinge. Die einen müssen sich körperlich auspowern, andere hingegen brauchen ihr Sofa und ein gutes Buch. Wieder andere schlafen und manche Menschen müssen shoppen oder essen. Jeder Jeck ist anders. Für Hunde sollen aber allgemeingültige Regeln gelten. Hä?

Hunde gehen mit Stress auch äußerst unterschiedlich um, je nach Temperament – Bellen oder offene Aggression sind die bekanntesten Reaktionen (und die kapieren die Zweibeiner ja dann auch meist).

 

Aber es gibt noch viel mehr Verhaltensweisen, die in meinen Augen nur auf Alltagsstress hinweisen. Oft habe ich von solchen Reaktionen gehört, die dann Überspungshandlungen genannt wurden. In meinen Augen sind das häufig Stresshinweise – auch, wenn sie ruhig vonstatten gehen und daher wohl oft als einen Hinweis auf ein Zuviel verkannt werden.

An dieser Stelle ein kurzer Zwischenhinweis: Ich bin Laie, ich beobachte nur. Meine Ausführungen haben keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund und sollen lediglich zum Beobachten und Bilden einer eigener Meinung anregen!

 

Nachmittags, es ist Zeit für den großen Dackel-Spaziergang. Wie immer muss der Chef (ich) vorher noch einmal das eigentlich stille Örtchen aufsuchen.  Der Dackel folgt mir auf dem Fuße, da er natürlich weiß, dass gleich seine große Stunde kommt. Die Badezimmertür wird sacht aufgestoßen, der Hund erscheint und nimmt zunächst offensichtlich entspannt auf dem Badvorleger platz – und beginnt plötzlich, wie ein Verrückter, seinen Schwanz zu jagen. Nur ein paar Mal – dann verlässt der Hund das sonst so verhasste Badezimmer, als sei nichts gewesen und erwartet im Flur den nun deutlich erleichterten Menschen.  Eine Marotte? Nein, ich glaube, Motte muss irgendwo hin mit ihren Emotionen – und mangels anderer Möglichkeiten (bellen ist ja vom Chef verpönt) jagt sie eben (leise) ihr Schwänzchen.

Eine andere Situation: Besuch kommt und klingelt. Für uns Menschen ganz normal – beunruhigend wird es ja eigentlich erst, wenn Besuch nicht klingelt. Der Dackel freut sich also – sieht, wer kommt und statt den von den Zweibeinern willkommenen Gast freudig zu begrüßen, rennt er weg und sucht den Ball (oder den Kauknochen oder das Wurfdings) und beißt erst einmal (oder mehrfach) herzhaft hinein oder schleudert es durch die Gegend.

Danach wird dann freudig und dennoch entspannt der Besuch begrüßt.

Urin „vor Freude“ verlieren – für Menschen ein Drama – für viele Hunde  eine ganz normale Übersprungshandlung.

Maxi,  mein Dackel vor Motte, konnte den Urin vor Freude über Besuch nicht halten – sie (es war auch ein Mädchen) rannte nicht weg, aber verlor immer Urin, wenn sie sich über jemanden besonders freute. Obwohl sie sonst absolut stubenrein war. Und war anschließend sehr unglücklich, denn sie wusste, dass es nicht erwünscht war. Ein Dilemma für den Dackel.

Ruhig werden, vor lauter Stress

Ich war letzte Woche in einem anderen Dackelhaushalt zu Besuch. Beide Hunde ignorierten sich nach kurzem Beschnuppern; wir Zweibeiner waren der Meinung, dass das eine völlig entspannte Situation sei. Während Motte sich dann intensiv mit den anwesenden Zweibeinern beschäftigte, zog sich der andere Dackel zurück und lutschte fast schon stoisch (dauerhaft, gleichmäßig und offenbar ohne seine Umgebung wahrzunehmen)  an seiner Kuscheldecke. Als wir menschlich wortreich ankündigten, wieder gehen zu wollen, erwachte er aus seiner offenbaren Lethargie und folgte uns mit der ursprünglichen Energie bis zur Tür.

Bellen als Ventil

Wenn wir unterwegs sind und ich für den Hund den geliebten Ball werfe, muss Motte bellen. Was habe ich schon alles versucht, um ihr dieses von mir unerwünschte Verhalten abzugewöhnen… Sämtliche Hilfstipps sind bisher gescheitert.  Denn der Dackel bellt nicht, wenn ich den Ball noch in der Hand halte (sie weiß, dass sie es dann nicht soll und ist dann still), sondern erst, wenn der Druck endlich nachlässt und sie dem geworfenen Ball wie wild hinterher sprinten darf. Endlich Luft ablassen und den aufgestauten Stress verblasen.

Ich glaube, viele Hunde haben gelernt, dass ihre ursprüngliche tierische Art und Weise, Stress zu verarbeiten (z.B. Bellen, Knurren oder den Anderen deutlich weg weisen), von Menschen nicht gewünscht ist und suchen sich entsprechend andere (mehr oder weniger leise) Wege, um die eigene Aufregung abzubauen. Viele Hinweise werden von uns Zweibeinern vermutlich einfach nicht erkannt (ich selbst habe ja auch schon einen Blogbeitrag über seltsame Verhaltensweisen meines Hundes geschrieben und vermutlich einige Punkte einfach verkannt…).

 

Selbst alltägliche Dinge wie Dehnen, Kopfschütteln und Gähnen können Hinweise auf körperliches „Wohlsein“  – aber auch auf „mir gehts gerade nicht so richtig, ich weiß noch nicht genau, wie ich das jetzt empfinden soll und wie ich darauf reagieren soll“ sein!

 

Könnten wir, alleine  durch genaueres Beobachten, unseren Hunden (egal, ob Dackel oder normaler Hund, vermutlich in vielen Situationen helfen?

Kennt (oder erkennt!) Ihr andere Verhaltensweisen, die offenbar auf eine gerade aktive Stressbewältigung hinweisen? Sagt es uns – vielleicht erkennen wir manche Verhaltensweisen  wieder und können besser damit umgehen!

 

 

3 Antworten auf „Stress beim Hund – oft schwer zu erkennen…“

Schreibe einen Kommentar