Regen ist doof…

Ich liebe Wasser. Eigentlich. Natürlich nur, wenn ich selbst bestimme, wann und wo es mich trifft. Wasser von oben ist grundsätzlich doof – völlig egal, ob es aus diesem Duschdings kommt oder einfach so vom Himmel fällt. Nasse Pfoten toleriere ich nur, wenn ich selbst entscheide, dass es genau jetzt in Ordnung ist. Regennasse Wege und Pfützen, durch ich hindurchgehen muss, sind für mich absolut inakzeptabel.

Ich habe schon oft versucht, den nassen Boden dann mit möglichst wenig Fläche meiner Pfötchen zu berühren – der Chef lacht mich aus und meint, ich sehe dann aus wie eine wehleidige Ballerina (ich weiß nicht, was das sein soll, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich über mich lustig macht).

Selbstverständlich bin ich morgens früh, wenn der Chef aufsteht, auch schon wach und verfolge (verborgen unter meinem Deckenberg) genauestens, was in meiner Wohnung so geschieht. Ich weiß sehr genau, dass der Chef erst eine Weile Zeit für sich und einige Tassen Kaffee benötigt, bevor er bereit ist, mit mir zusammen auf morgendliche Entdeckungstour nach draußen zu gehen. Ich bemerke an seinem Verhalten, an seinem Gang, wenn er soweit ist. Dann – und erst dann! – stehe ich auf, platziere mich strategisch günstig mitten im Flur, erwarte ungeduldig Leine, Halsband und Rolli und freue mich auf meine Morgenrunde.

Mein Heim ist eine Dachwohnung. Wir haben zwar keinen Garten, dafür aber den unschätzbaren Vorteil, dass ich Regenwetter frühzeitig durch das Klopfen der Tropfen auf den Dachfenstern hören kann. Oft traue ich dem Braten nicht; denn nur, weil es hier oben regnet, muss es ja unten vor der Haustür nicht genauso sein. Aus jahrelanger Erfahrung habe ich aber gelernt, dass das Wetter hier oben und dort unten draußen doch auffallend oft ähnlich ist.

Heute morgen hörte ich deutlich das Pladdern der Regentropfen auf den Fenstern und erinnerte mich daran, dass nasse Pfoten und ungemütliches Wetter auf meiner Prioritätenliste definitiv nicht an erster Stelle stehen. Auf eine Diskussion mit dem Chef („Nun sind wir schon draußen, also gehen wir auch eine Runde“) hatte ich auch wirklich keine Lust. Daher begab ich mich nicht wie sonst in den Flur, sondern marschierte direkt weiter ins Wohnzimmer in mein Zweitkörbchen.

Zur Info für Euch: Natürlich besitze ich mehr als einen Korb. Wenn ich wollen würde, hätte ich noch viel mehr – aber diese beiden reichen mir – am liebsten ziehe ich mich sowieso auf mein großes Dreier-Sofa mit des Chefs Kuscheldecke zurück.

In meine Körbchen (egal wo) krabbele ich natürlich aber nicht „einfach so“. Als Dackel und damit inoffizieller Chef des Rudels habe ich natürlich Personal. Niemand (wirklich niemand!) kann und darf von mir erwarten, dass ich mich alleine in eine meiner Kuschelstätten schleppe und mich am Ende auch noch selbst zudecken muss. Mein Personal ist zu meiner Zufriedenstellung erzogen, entfernt auf einen kurzen Zuruf meinerseits umgehend die farbige Kuschel-Decke, damit ich mich gemütlich und bequem betten kann, bleibt selbstverständlich neben dem Korb stehen und deckt mich, wenn ich eine mir genehme Position gefunden habe, anschließend liebevoll zu.

(Ton anschalten)

 

Aber manchmal setze ich meine Prioritäten eben anders.

Heute morgen wollte ich also nicht raus in das hundeunfreundliche Wetter – und habe mich unauffällig und sehr zur Verwunderung des Chefs an ihm vorbei gedrückt und mich alleine in meinen Korb im Wohnzimmer gelegt – ein deutliches Zeichen für den zweibeinigen Dosenöffner, dass er natürlich gerne selbst eine Runde im Regen drehen darf (was er ja offensichtlich so gerne tun wollte) – aber heute mal ohne den Hund (also mich).

Und was soll ich sagen? Natürlich habe ich gewonnen. Noch ein langer, mitleiderregender Blick in die Runde – und ich bin sogar zugedeckt worden, ganz ohne extra Aufforderung.

 

Regen ist doof. Und gutes Personal so wichtig.

Kleiner Nachsatz: Ich musste leider dann doch noch aufstehen und bin in den Regen hinaus gezwungen worden. Manchmal ist es aber auch gemein, wenn hund einfach so unter den Arm geklemmt werden kann… Da hilft mir meine innere Größe leider auch nicht weiter.

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