Mein Dackel bellt andere Hunde an…

Foto: Danyel Guré

Spazierengehen mit Motte ist immer spannend. Das Dackelhirn entwickelt permanent neue Ideen, die keinen Spaziergang dem Anderen gleichen lassen.
Eine Konstante gibt es aber: kommt ein anderer Hund ins Dackelsichtfeld, wird dieser aus auch der Entfernung zunächst selbstverständlich verbellt. Für den Menschen am anderen Ende der Leine (mich) manchmal echt unangenehm, wenn der kleine Stinker ein Riesentrara verursacht. Und bei anderen Hunden zunächst mal für eine (in diesem Moment aus Menschensicht durchaus verständliche) Abwehrhaltung sorgt.

Oft stelle ich mir die Frage: warum macht Motte das…?

Zumindest bei uns steht das „Problem“ hier wohl oft am anderen Ende der Leine. Ich habe nach wie vor großen Respekt (manchmal könnte man es auch Angst nennen) vor unbekannten (großen – und oft freilaufenden) Hunden. Und bin mir mittlerweile sicher, dass der Dackel das merkt. Und mich „sicherheitshalber“ im Vorfeld beschützt. Zumal der Grund meiner unbewusst gezeigten Unruhe für Motte nicht ja nicht nachzuvollziehen ist.
Oft ist es so, dass, wenn der andere Hund näher kommt und für mich als „bekannt“ oder „potentiell ungefährlich“ eingestuft wird, das Bellen sofort verstummt. Dann wird der andere Hund häufig sogar völlig ignoriert. Denn eigentlich mag Motte Menschen viel lieber als andere Hunde – läuft sogar oft an den erwartungsvollen Vierbeinern vorbei und begrüßt den mitgeführten Menschen stürmisch. Von anderen Hunden gibt es auch nur äußerst selten Leckerchen – insofern ein für mich als Menschen durchaus nachvollziehbares Verhalten.

Ein schönes Beispiel für die menschenbestimmte Verhaltensweise unseres Dackels: Unser Ausflug am letzten Wochenende.

Ein Dackeltreffen. Unser erstes. Aber mit Sicherheit nicht das letzte.

Foto: Danyel Guré, krummebeine.de
Foto: Danyel Guré

Eine große Wiese in Köln. Mehr als zwanzig Dackel aller Farben, Größen und Fellarten auf einen Haufen. Zählen war aufgrund des Gewusels doch eher schwierig. Und was macht Motte (auf dem Foto übrigens ganz links oben…)? Gräbt in den vielen Löchern nach Mäusen, Hasen und sonstigem Getier – die anderen Dackel („Hunde“) waren völlig nebensächlich. Keinerlei echte „Aggression“ zu erkennen. „Mama“ war ja auch völlig entspannt und unterhielt sich mit den mitgebrachten Menschen.

Nur, wenn sich die Dackel unter sich mal in die Haare bekamen – dann erwachte die Gouvernante in Motte. Dazwischen gehen, die Raufbolde zur Raison rufen, weiterbuddeln.
Ein toller Nachmittag für Motte – die anschließend einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf einforderte. Sogar das Autofahren (zumindest die Rückfahrt) war kein großes Thema mehr – ein Indiz für mich, dass auch Mottes Abneigung gegen Autofahrten vielleicht doch eher menschliche Gründe (und keine ausschließlich dackeleigenen) hat.

Mein persönliches Fazit: Mein Dackel bellt andere Hunde an. Gut. Liegt aber offenbar nicht nur in den Dackelgenen und in der damit verbundenen scheinbar grenzenlosen Selbstüberschätzung verwurzelt. Reine hundeeigene Angst kann es (zumindest bei uns) auch nicht sein, sonst hätte sie dem Gewusel von so vielen Hunden letztes Wochenende nicht so entspannt (man könnte es auch „ignorant“ nennen) gegenüber gestanden. Wie so oft in der Hund-Mensch-Beziehung scheint die Wurzel des Übels also (zumindest bei uns) doch eher der Mensch zu sein. Ein Grund für mich, weiter an mir zu arbeiten. Und ein Anlass, den Grund für „unerwünschte“ Verhaltensweisen nicht nur beim Vierbeiner zu suchen, sondern mein eigenes (oftmals wohl eher unbewusstes) Verhalten zu überdenken.
Treffe ich mich mit Freunden zum gemeinsamen Hundespaziergang, wird Motte zu Beginn (im Angesicht der Vierbeiner) laut, entspannt sich dann aber nach der ersten Kontaktaufnahme und ignoriert den oder die mitgeführten Hunde im weiteren Verlauf des Spaziergangs völlig.

Und ich bin wieder in meiner Meinung bestätigt worden: Hunde (Dackel-) training und -erziehung funktioniert nur, wenn das Anhängsel am anderen Ende der Leine ebenfalls lernfähig ist. „Negative Schwingungen des Chefs“ übertragen sich sofort auf das überaus sensible Krummbein.

Zum Glück sind Dackel so selbstbewusst und hartnäckig – aber trotzdem (oder gerade deshalb)  erstaunlich intelligent und lernfähig.
Wenn der Mensch sich dann auch als lernfähig herausstellt, können beide voneinander viel lernen.

Danke, Dackel.

 

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