Ich muss mal…: jedes Mal eine neue Herausforderung für uns Hunde!

Ein ernstes Thema: der richtige Platz! Nein, ich meine nicht den perfekten Platz für ein Nickerchen oder die mir bekannte Unfähigkeit des Chefs, die Decken in seinem Bett so zu platzieren, dass eine Dackelprinzessin auf Anhieb den perfekten Ruheplatz findet. Ich meine die anstrengende, sich täglich wiederholende Suche nach dem optimalen Platz für mein großes Geschäft. Selbstverständlich weiß ich, dass eine Erleichterung bringende Entleerung von Hundedarm und -blase in der Wohnung von meinen Zweibeinern nicht erwünscht ist. Ich versteh zwar den Grund nicht ganz – aber gut, ich habe die Diskussionen zu diesem Thema dann doch recht schnell aufgegeben. Konsequenz ist zwar definitiv kein Charaktermerkmal, das ich meinen zweibeinigen Rudelkollegen zuordnen würde, aber in diesem Punkt muss ich echt mal den Hut ziehen – da hatte selbst mein Dackeldickkopf keine Chance.

Ich mag Rituale, Verlässlichkeit und und eine gewisse Routine – das gibt mir Sicherheit und ich kann mich mit voller Energie auf die Überraschungen konzentrieren, die ja zusätzlich täglich auf mich warten. Der Chef respektiert das (meist) – er kennt mich ja auch nun echt schon lange genug. Ich erzähle mal, wie das bei uns so funktioniert:

Wenn ich morgens der Meinung bin, dass meine Nachtruhe beendet ist, fordere ich den Chef also auf, mit mir in Welt da draußen zu gehen. Alleine lässt er mich nicht nach draußen, in der Wohnung darf ich mich nicht erleichtern: also muss er dann ebenfalls raus. Das hat er eben davon – wir müssen ja alle irgendwo mal Opfer bringen. Ich merke schon, dass er nicht immer begeistert von meiner unmissverständlichen Aufforderung ist, seine momentanen Tätigkeiten jetzt sofort und auf der Stelle zu unterbrechen, sich in Jacke und Schuhe zu werfen und meinem Wunsch zeitnah nachzukommen – aber da muss er eben durch. Beweist mir immer wieder eindrücklich, dass ich also doch die uneingeschränkte Macht hier habe – wie beruhigend.

Gerade in der ersten Zeit in meinem neuen Rudel habe ich diesen offensichtlich bedingungslosen Gehorsam des Chefs manchmal ausgenutzt, das gebe ich leise lächelnd gerne zu. Wenn mir hier in der Wohnung langweilig war und sich niemand mit mir angemessen beschäftigt hat, wollte ich eben raus. Ich merkte ja schnell, dass hier immer eine sofortige Reaktion erfolgte und das Personal sprang – unverzüglich! Eigentlich war sie ganz praktisch, diese Erkenntnis. Mittlerweile funktioniert der Trick leider nicht mehr immer… Ich habe schon mitbekommen, dass es nichts bringt, in zu kurzem zeitlichen Abstand nach einem Ausflug in die Welt da draußen wieder das Thema „Rausgehen“ anzusprechen.

Morgens, zum Beispiel. Zeit für die ersten wichtigen Dackel-Verrichtungen des Tages.

Meist drückt dann meine Blase – da bin ich dann auch nicht besonders wählerisch, was den Platz angeht, um mir Erleichterung zu verschaffen. Hauptsache, es spritzt nicht hoch. Ein paar Tropfen spare ich mir selbstverständlich für später auf; ich weiß ja, wo wir morgens immer langgehen und an welchen Ecken ich unbedingt meinen Hundekollegen noch kurze, Lackritznasen-interne und überaus wichtige Botschaften hinterlassen muss. Nach ein paar Schritten merke ich dann, dass sich außer meiner Blase auch noch andere Bereiche meines Körpers mit der nachdrücklichen Bitte um kurzfristige Erleichterung melden. Und damit beginnt dann eine angeregte, zeitkritische Suche, die der Chef so oft einfach nicht verstehen möchte. Mein Körper teilt mir mit, dass die Rückstände des Futters von gestern nun gerne meinen Darm verlassen möchten. Okay – Botschaft verstanden: Challenge accepted. Die jedes Mal neue, aber immer entscheidende Frage ist nun: wo platziere ich meine Ausscheidung sinnvoll? Der Chef hat für meine Not in diesem Fall überhaupt kein Verständnis: „Mach halt einfach! Hier ist doch ein toller Platz.“

Der Chef hat echt manchmal einfach keine Ahnung von Hundenöten und sollte sich dann besser raushalten, finde ich.

Selbstverständlich habe ich bemerkt, dass er seiner Darmentleerung nicht den gleichen Stellenwert zumisst wie ich der meinen. Kein Wunder – geht er selbst doch immer zur gleichen Stelle, um seinem Bedürfnis nachzukommen: in den Raum, in dem auch diese potentiell gefährliche, wasserspeiende Dusche steht. So wird das nie was mit seiner Revierverteidigung… Aber das will er einfach nicht verstehen, glaube ich.

Ich merke also, dass ich mal muss. Groß. “Kotabsatz”, wie die Zweibeiner es gerne gesellschaftstauglich nennen. Da gelten einfach andere Maßstäbe. Das geht nicht nach Hunde-Gesichtspunkten aber natürlich nicht „irgendwo“. Ich beginne draußen unverzüglich mit der Suche nach dem optimalen Platz und merke selbstverständlich aus den Augenwinkeln, dass der Chef sein „na, das kann jetzt dauern“-Gesicht aufgesetzt hat. Ärgert mich immer, aber hat dann gerade keine Priorität. Da muss er jetzt durch – er besteht schließlich darauf, dass ich mich nur außerhalb meiner warmen, trockenen und geschützten Wände erleichtere. Die unmittelbare Umgebung hier kenne ich natürlich sehr genau und habe oft auch schon eine ungefähre Vorstellung, wo heute ein geeigneter Platz sein könnte. Da ja kein Tag dem anderen gleicht, fließen auch Überlegungen zu Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeitsgehalt (nasses, am Popo kitzelndes Gras ist z.B. nicht schön!) und Duftmarken der Hundekollegen mit in die perfekte Platzwahl mit ein. Das braucht manchmal ein wenig Zeit – ich will da bei einer dermaßen wichtigen Entscheidung schließlich nichts überstürzen! Wenn ich ein Areal gefunden habe, dass dem wachsenden Druck in meinem Enddarm eventuell genügen könnte, muss ich den genauen Platz für meine Erleichterung ja auch noch zentimetergenau eingrenzen.

Für den Chef ist das oft offenbar nicht nachvollziehbar: auch hier zeigt sich dann wieder deutlich, dass er mich und meine selbstverständlich fundierten Handlungen manchmal einfach nicht verstehen will. Ich verbuche das dann unter menschlicher Unwissenheit und daraus folgender naiver menschlicher Ingnoranz. Dieses Kapitel ist übrigens bereits ziemlich groß.

In einem Bereich von ca. einem Quadratmeter die optimale Stelle zu finden, um endlich dem Druck in meinem Darm nachgeben zu können, verursacht mir manchmal echt Stress. Wenn dann auch noch externe Ablenkung, z.B. in Form eines anderen Vierbeiners, die noch verbliebenen Areale meines fast ausgelasteten Denkvermögens trifft, wird es für mich richtig anstrengend. Eigentlich muss ich, aber ich setze da natürlich meine Prioritäten. Die Suche nach einem geeigneten Platz rückt dann temporär in den Hintergrund – und wird kurze Zeit später erneut gestartet: natürlich wieder von Anfang an. Verständnis beim Chef? Ist dann schwierig.

Der perfekte Platz? Eine regelmäßige Herausforderung für uns Hunde!

Wenn ich dann endlich einen Platz gefunden habe, muss dieser selbstverständlich genau eingegrenzt werden. Auf dem frischen Maulwurfshügel oder doch lieber direkt daneben? Unter dem Busch mit den roten Beeren oder doch eher im angrenzenden Gras neben der knospenden Löwenzahnblüte? Sicherheitshalber drehe ich mich dann auch noch mal mehrfach im Kreis. Schließlich habe ich auch unter meinen Pfoten Duftdrüsen, die meinen Bereich für andere lackritznasige Vierbeiner ebenfalls deutlich markieren – ob ich nun etwas mache oder eben nicht. Man kann nie genug auf das eigene Revier hinweisen, finde ich. Als angenehmer Nebeneffekt wird durch Drehen und Trampeln auch das Gras etwas platt getreten und kitzelt nicht mehr so.

Den Chef beim machen anschauen? Ja, mach ich manchmal. Aber er versteht mich dann nie…

Wenn ich dann endlich den perfekten Ort gefunden, die wichtigen Vorarbeiten erledigt und mich dann (endlich!) erleichtern kann, behalte ich oft natürlich den Chef im Blick. Den das immer recht nervös macht. Ich glaube, er kann nicht deuten, was ich ihm mit meinem Blick genau jetzt sagen möchte. Gut, ist ja auch jeden Tag ein bisschen anders und der Chef ist da nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen, glaube ich: manchmal schaue ich doch nur, ob er auch die Umgebung im Auge behält und mich warnt, falls sich in diesen paar Sekunden meiner Angreifbarkeit Gefahren oder plötzliche Veränderungen der an sich friedlichen Situation ergeben. Manchmal fällt mir auch ein, dass ich früher immer eine köstliche Belohnung bekommen habe, wenn ich was gemacht habe. Manchmal hat er auch früher lustige Verrenkungen gemacht und mich nach meiner Erleichterung geknuddelt und hoch gepriesen: das war immer eigentlich ganz witzig. Manchmal will ich aber auch einfach nur, dass er woanders hinschaut – ich hab schließlich auch eine Privatsphäre! Da gibt es so oft Missverständnisse zwischen uns: ich bleibe dabei: Zweibeiner sind echt kompliziert und oft ziemlich begriffsstutzig

Es gibt sogar Studien über den täglichen Hunde-Kotabsatz. Manche Menschen haben echt zu viel Zeit, glaube ich.

Ich kann ja eigentlich mittlerweile Lesen und Schreiben, aber pssst – nicht dem Chef verraten. Es gibt eine kuriose Studie, in der Forscher festgestellt haben, dass wir Hunde uns zum Lösen beim großen Geschäft nach dem Magnetfeld der Erde richten und meist eine Nord-Süd-Richtung einnehmen (zumindest an Tagen ohne Sonnenstürme). Wenn es euch interessiert: hier ein Link zu den Ergebnissen bei geo.de.

Ich glaube ja, dass das wieder nur eine gesuchte Erklärung der Zweibeiner für Dinge ist, die sie sich sonst nicht erklären können.

Ich bin nämlich gar nicht magnetisch.

Aber wenn die Menschen das gerne glauben möchten und mich dafür in Ruhe lassen, wenn ich den perfekten Platz zum Erleichtern suche: bitte.

Äh: Fotos gibts zum Glück diesnmal keine. Wer möchte schon Bilder von sich erleichternden Hunden sehen? Eben.