Entschleunigen ist wichtig: für den Chef

Der Chef sagt, nun kommt eine Zeit, in der wir alle entschleunigen können, sollen und müssen. Aha. Vielleicht hat er deshalb in den letzten Wochen so ungewohnt viel Stress verbreitet? Damit er diese geheimnisvolle Zeit nun besser würdigen kann? Ich bin gespannt, lasse mich von der in der Luft liegenden Aufregung anstecken und bereit für diese kommenden, offenbar überaus spannenden Tage.

Angeblich bin ich ja nicht ganz unschuldig daran, dass der Chef zuletzt plötzlich noch einmal furchtbar hektisch wurde. Ob es etwas mit dem Paket zu tun hat, das eines Tages mitten im Flur stand und das ich ausgiebig untersucht habe, als ich wieder mal „nur ganz kurz“ alleine zurück gelassen wurde…? Woher sollte ich wissen, ob der Chef auch dieses Mal zu mir zurückkommen würde? Ich sah ihn durch die Tür verschwinden, ohne mich; war doch plötzlich ganz allein, verzweifelt  und offenbar wieder mal von meinem Rudel verlassen worden. Das passiert leider öfter – und bisher sind die Zweibeiner zum Glück immer zurück gekommen. Eine Garantie, dass das immer so ist, habe ich aber ja nicht… Und weil es bisher erst 457mal gut gegangen ist – kann ich mich doch nicht darauf verlassen, dass es auch beim 458en Mal klappt…

Also habe ich natürlich das getan, was ich wirklich gut getan: ich habe mir selbst geholfen und zunächst dieses geheimnisvolle Paket auf mögliche Nahrung untersucht, um aktiv meinem vermutlich drohenden Hungertod entgegenzutreten. 

Gut, das Zerreißen dieser Pappe hat unerwartet großen Spaß gemacht – da war es eigentlich auch gar nicht so schlimm, dass der Inhalt sich als nicht nahrhaft herausstellte. Da ich natürlich aber die Schmackhaftigkeit testen musste, hat der Inhalt des Pakets  nun ein bisschen angefranste Ärmel. Woher sollte ich auch wissen, dass dieses Ding, das so geruchsneutral und echt aufwändig verpackt war, nur ein langweiliger Pullover war? 

Ich finds nicht so schlimm, ich hab ja sofort aufgehört, daran herumzukauen, als ich merkte, dass das nur eins von diesen unspektakulären Dingen war, die sich die Zweibeiner so gerne überziehen. Die paar jetzt losen Fäden kann man doch einfach abschneiden. Die Reaktion des unerwartet zurückkehrenden Chefs fand ich jedenfalls, wie so oft, völlig überzogen. Als ich den Schlüssel in der Tür hörte und realisierte, dass ich offenbar doch nicht endgültig verlassen wurde, freute ich mich so sehr, dass ich sogar ein paar Tröpfchen Pippi verlor. Warum sich der Chef nun darüber wieder erregen musste und hektisch nach einem Handtuch suchte,  ist mir nicht ganz klar – meine letzte Runde draußen war schließlich schon bestimmt zehn Minuten her – und große Emotionen fordern nun mal ihren Tribut.

Aber das war noch nichts im Vergleich zu dem, wie ich finde, viel zu lauten Blabla, das dann folgte, als der Chef meine in mühsamer und äußerst effektiver Arbeit von mir hergestellten Schnipsel sah…

Was auch immer jetzt für eine geheimnisvolle Zeit der Ruhe kommen soll, ich hoffe, dass der Chef sie nutzt und genießt – er scheint sie nötig zu haben…

Zum Glück scheint der Chef ein echt schlechtes Gedächtnis und ein ebensolches Gewissen zu haben (irgendwie gab er sich selbst die Schuld an dem zerstörten Paket, dabei hatte er doch gar nicht mitgespielt…): denn nur kurze Zeit und so ein, zwei treue Blicke vor mir später haben wir beide dann auf dem Sofa gekuschelt.  Zweibeiner sind echt anstrengend und schwer zu verstehen – aber ich mag sie sehr. Vor Allem meine eigenen. 

In diesem Sinne:  entschleunigt Eure Zweibeiner – ich glaube nämlich, die kommenden Tage könnten für uns Vierbeiner noch sehr aufregend werden!