Ein Dackel namens Lucy

Guten Tag! Ich bins, die Lucy! Zumindest rufen die Zweibeiner dieses Wort ganz oft – muss also irgendwas mit mir zu tun haben – denn ich bin natürlich immer im Mittelpunkt. Sie rufen aber noch ganz viele andere Worte; ich bin mir manchmal nicht ganz sicher, ob mein Name nicht vielleicht doch eher “nein”, “oh, wie süß”, “guck mal, wie sie schaut” oder “komm” ist…

Seit gestern ist meine Welt eine Andere. Und ich, schließlich ein schon fast drei Monate alter und selbstverständlich allwissender Dackelwelpe, war mir doch sicher, bisher schon so viel erlebt zu haben…

Auf jeden Fall bleibt mein Leben sehr, sehr spannend! So viel Aufmerksamkeit – nur und ganz allein für mich! Gut, meine große Familie fehlt mir manchmal schon ein bisschen und dann werde ich sehr nachdenklich… Was sie wohl so ohne mich machen…? Ob sie mich auch ein bisschen vermissen? Ich hoffe wirklich, dass sie auch ohne mich zurechtkommen – vor Allem der große zweibeinige Chef.

Das Leben ist aufregend!

Leider habe ich aber gar nicht so viel Zeit, um nachzudenken. Hier passieren dauernd spannende Dinge. Und eins ist sicher: es hat schon auch ein paar Vorteile, mit einem Spielzeug einfach mal in Ruhe spielen zu können, ohne dass dauernd irgendwer kommt und exakt dieses Teil auch genau jetzt haben möchte.

Sicherheitshalber schlinge ich mein Futter immer in Rekordzeit hinunter. Heute Mittag fiel mir auf, dass sich hier außer mir aber offenbar niemand für den Inhalt meines Fressnapfs zu interessieren scheint. Da bin ich glatt das Risiko eingegangen, habe kurz inne gehalten und mich einmal umgeschaut: niemand stand neben mir, niemand steckte seine vorwitzige Nase in den Napf, niemand schien sich in dem Moment für mich (und mein Futter!) zu interessieren. Hm. Das muss ich mal beobachten..

Die Welt da draußen scheint ja riesig zu sein… Wer hätte das geahnt!

Ganz oft bin ich draußen und weiß schon ganz genau, welche Türe jetzt “meine” Türe ist (gut, manchmal stehe ich offenbar vor der falschen Glasscheibe, denn es öffnet sich dann überraschend das Ding daneben – das ist sicher ein hinterhältiger Trick meiner Menschen, den durchschaue ich bestimmt noch, da bin ich mir sicher). Draußen ist es toll. Und auch so spannend!

 

Unter uns: ich glaube ja, dass mein neues Rudel manchmal ein bisschen komisch ist. Noch nie hat sich jemand so gefreut, nur weil ich mal musste…  Dass sie in diese seltsamen Begeisterungsstürme nur draußen ausbrechen, habe ich bereits erstaunt zur Kenntnis genommen. Drinnen passiert das nie: ich habs schon ausprobiert. Aber da wir ja so oft draußen sind, tue ich ihnen eben den Gefallen – und muss eben nur draußen. Aber nur, weil ich es so gerne sehe, wie sie in diesen leicht wirr anmutenden Zustand der Verzückung geraten. Mit der Erziehung der Zweibeiner kann man nicht früh genug anfangen – und ich glaube, ich habe in den paar Stunden bisher schon mehrere wichtige Grundsteine gelegt.

Kuscheln hilft immer

Heute Nacht musste ich einmal weinen. Als ich so ganz alleine in meinem großen Körbchen liegen sollte, musste ich an die gewohnte, vertraute Dackelhaufenbildung in meinem alten Rudel denken – und plötzlich fehlten mir doch alle ganz doll. Obwohl ich stehend k.o. war und eigentlich doch nur schlafen wollte, wurde ich plötzlich sehr, sehr traurig. Der Chef (also, der Zweibeiner, der hier offenbar außer mir noch die Befehlsgewalt hat) rief mich dann ganz leise. Und ich bin ganz schnell zu ihm gekrabbelt, habe mich wie einen Schal um seinen Hals gewickelt – und fühlte mich gleich so geborgen – alles war wieder gut. Ich wollte auch gar nicht raus, müssen, Kuscheln ist so schön! Warum der Chef leise geweint hat, als ich ihm meine Pfote sacht, aber besitzergreifend auf seine Brust legte, habe ich nicht verstanden. Schließlich hatte er doch aufgehört, mich zu kraulen – also hätte doch ich einen Grund gehabt, traurig zu sein… Er murmelte was von: “Ich weiß, wer dir diese Geste verraten hat…” und drückte mich ganz fest. Ich habe ihm schnell die Tränen abgeschleckt – ich mag ihn gern, meinen Chef (sonst hätte ich mir ja nicht dieses Zweibein ausgesucht…). Ich mag nicht, wenn er traurig ist – und er musste auch gleich lachen und wir beide sind dann eng aneinandergekuschelt wieder eingeschlafen.   

 

Mein Personal

In meinem neuen Rudel gibt es noch mehr Menschen außer dem Chef – die liebe ich jetzt schon heiß und innig und folge ihnen auf Schritt und Tritt. Vor Allem, weil die immer mit mir spielen, kuscheln und rausgehen. Ich habe ja noch so viel zu erzählen! Aber jetzt muss ich schlafen und Energie tanken –  mein erster Tag im neuen Leben war doch anstrengender, als ich wahrhaben möchte. Wie soll ich mir hier Respekt verschaffen, wenn mir beim Spielen einfach dummerweise immer die Augen zufallen…?

Ich habe schließlich noch eine gewaltige Erziehungsaufgabe vor mir.