Der hundehaltende Mensch aus Sicht eines Dackels

Mit der mir angeborenen Dackel-Weisheit habe ich mir in den vergangenen Tagen mal wieder ausgiebig über eines meiner Lieblingsthemen Gedanken gemacht: den Menschen.
Vor Allem der hundehaltende Mensch an sich ist offenbar sehr stolz darauf, stur, allwissend und inkonsequent zu sein. Oder, um es ein bisschen positiver zu formulieren: Menschen halten sich selbst gerne für selbstsicher, intelligent und kompromissbereit – also: grundsätzlich sowieso – aber besonders die, die sich einbilden, Rudeloberhaupt im Zusammenleben mit Hunden zu sein. Schließlich hat die flüchtige Lektüre des 15seitigen Welpenratgebers den Zweibeiner ja damals umfassend mit fundiertem Halbwissen auf das Zusammenleben mit dem jungen Vierbeiner vorbereitet.

Wenn wir süßen vierbeinigen Fellknäuel nicht auf die sicher gut gemeinten Ratschläge umgehend und dauerhaft wie gewünscht reagieren, war entweder diese kostenlose Beigabe bei der Packung des angepriesenen Welpenfutters von offenbar unwissenden Laien verfasst oder, und das ist viel wahrscheinlicher, der Mensch hat ein besonders widerspenstiges Exemplar “Hund” erwischt. Egal, woran es liegt, das menschliche Halbwissen wird am noch unbedarften Welpen erprobt, am pubertierenden Hund dann in Frage gestellt und beim erwachsenen Hund als Unsinn abgestempelt (“Die Tipps funktionieren bei meinem Hund halt nicht. Der ist einfach zu stur. Ist halt ein Dackel.”).

Hundehaltende Menschen sind übrigens in ihrer eigenen Wahrnehmung die unschuldigsten und perfektesten Wesen auf dieser Erde.

Daraus folgt dann zwingend die menschliche Erkenntnis, dass vom Zweibeiner unerwünschtes Verhalten eines Tieres niemals im Verantwortungsbereich eines Menschen liegen kann – man kennt sich schließlich aus und hat sich informiert! Es muss am Hund liegen.

Ich kenne nur wenige Zweibeiner, die wirklich verständlich hündisch sprechen und, sehr wichtig, auch unsere Antworten verstehen. Mein Chef hat mühsam lernen müssen, dass ich seinen nebenbei geäußerten Wunsch (“aus“), einfach nicht ernst nehme, wenn der Chef in sich zusammengesunken auf dem Sofa sitzt und zufällig mit einem Auge mitbekommt, dass ich gerade teste, ob sich das hölzerne Tischbein eigentlich als Nahrungsersatzmittel eignet. Ein bisschen mehr Einsatz muss er da schon zeigen, wenn er auf seine akustischen Äußerungen zumindest ein wenig Beachtung von mir erwartet. Eine Prüfung der Sinnhaftigkeit seiner Äußerungen behalte ich mir immer vor. Ich bin schließlich ein Dackel.

An dieser Stelle die Bitte an euch Menschen: Wenn ihr einen besonderen Wunsch habt, soll er doch bitte eindeutig und für mich als Hund auch als solcher auch zu erkennen sein. Könnte ich hellsehen, wäre ich schon lange bei einem privaten Fernsehsender und hätte meine eigene Show.

Einem Menschen beizubringen, unsere Sprache zu verstehen und im Optimalfall sogar selbst zu sprechen, ist eine Lebensaufgabe – nicht nur für einen Dackel. Liebe Hunde-Kollegen, wir leisten da oft absolut ungewürdigte und unverstandene Schwerstarbeit! Aber bleibt dran, es lohnt sich.