Der Chef muss dauernd raus gehen…

Ich sag Euch: mein Leben ist echt anstrengend geworden!

Nicht nur, dass die Zweibeiner irgendwie die Heizung draußen offenbar auf Dauerbetrieb stehen haben; ständig werde ich unter den Arm geklemmt und muss raus in diese unruhige Umgebung… Dabei fühle ich mich hier drinnen doch mittlerweile echt sicher und kenne mich schließlich fast überall schon ganz gut aus. Draußen ist irgendwie jedesmal alles anders – und dort ist auch immer so viel los. Ich bin schließlich kein Adrenalin-Junkie, mir reicht doch eigentlich meine Wohnung. Hier weiß ich jetzt, wo ich meine Zähnchen wetzen kann, wo die so köstlich duftenden Schuhe stehen und wo ich Zerstreuung finden kann, wenn ich das möchte und sich niemand angemessen um mich kümmert.

Natürlich habe ich längst kapiert, dass ich draußen „müssen“ soll. Manchmal ist es mir aber echt zu lästig, immer dieses Leine und Halsband-Gefummel, dieses draußen Lage peilen müssen und so. Sobald ich nach einem meiner wohlverdienten Schläfchen Anstalten zum Aufstehen mache, steht der Chef parat und trägt mich raus. Langsam glaube ich, der beobachtet mich dauernd… Nie werde ich mal gefragt, ob ich denn jetzt auch gerade raus möchte.. Vielleicht würde ich ja lieber jetzt hier drinnen mit meinem Ball spielen? Aber das fragt mich armen kleinen Dackel nie jemand. Das bisschen Pippi könnte ich schließlich auch schnell auf eine von den Fußmatten, eine Decke oder auf diesen weichen Teppich im Bad machen, finde ich (manchmal trickse ich mein Rudel aus und tue das einfach! Aber offenbar verstecke ich es zu gut, denn ich muss trotzdem immer wieder raus…). Eins hab ich schon gelernt: direkt neben dem Chef Pippi in der Wohnung machen ist eher nicht so gut für die allgemeine Stimmung… Wobei ich mir nicht ganz sicher bin: liegt es wirklich an dem bisschen Flüssigkeit oder doch daran, dass der Chef nun nicht raus gehen darf? Auf jeden Fall freut er sich dann nicht wirklich. Das muss ich noch ein paar hundert Mal ausprobieren, um wirklich sicher zu sein, glaube ich.
Ich könnte uns allen so viel Zeit und Aufwand sparen… Aber nein, da ist der Chef echt penetrant. Zum Glück kenne ich mich da draußen jetzt auch schon ein bisschen aus und weiß genau, welches meine Tür ist. Ich tue ihm also den Gefallen und erleichtere mich dann schnell (mit Vorliebe auf Gullideckeln oder Gittern, das spritzt nicht so und ich bekomme keine nassen Pfoten). Man muss halt geschickt sein – beim ersten Mal bin ich doch glatt abgerutscht und hing dann etwas unglücklich mit den Beinen in den Rillen dort fest. War auch doof irgendwie, ich kam nämlich alleine nicht mehr weg – und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der Chef sich gefreut hat, dass ich draußen etwas gemacht habe oder ob sein Lachen nicht eventuell doch etwas hysterisch angehaucht war. Auf jeden  Fall drehe ich mich danach immer sofort um und möchte bitte so schnell wie möglich wieder nach Hause. Aber, wie könnte es anders sein: auch hier muss ich mit dem Zweibein jedesmal endlos diskutieren. Und irgendwie habe ich den Verdacht, dass ich hier im Ranking der Gewinner nicht wirklich in Führung liege. Ob es nun wegen der Richtung oder wegen meines Tempos ist – irgendwas möchte der Chef immer anders machen als ich.  

Das wird noch ein hartes Stück Erziehungsarbeit mit meinem Rudel, fürchte ich.

Zum Glück scheint der Chef nachts, wenn nach dem letzten Besuch der Außenwelt hier endlich Ruhe einkehrt, auch keine große Lust zu haben, unser großes, gemeinsames Körbchen zu verlassen. Und da ich dann auch immer sehr, sehr müde bin, kuscheln wir lieber und verschieben dieses lästige Rausgehen auf den nächsten Morgen. Mit diesem Agreement können wir beide sehr gut leben. 

Auf jeden Fall ist mir im Moment eigentlich viel zu warm, um mich groß zu bewegen. Seit der Chef eines meiner Körbchen unter den Tisch gestellt hat und ab und zu seinen Fuß hineinstellt, ist das echt einer meiner Lieblingsplätze geworden. Ich kann alles im Blick behalten (zumindest so lange, bis es mir dummerweise die Augen zuzieht), liege bequem und habe einen geliebten Fuß bei mir. Ich liebe Füße! Außerdem bekomme ich so natürlich sofort mit, wenn der Chef sich unerlaubt entfernt. Da muss ich echt aufpassen, das macht der wirklich manchmal. Ab und zu lasse ich ihn aber auch mittlerweile einfach mal gehen – zumindest so weit, wie ich ihn aus halb geöffneten Augen noch sehen kann. Sonst muss ich natürlich etwas widerwillig nachschauen – und manchmal muss ich ein bisschen weinen, wenn ich ihn einfach nicht finden kann. Aber eigentlich immer nur ganz kurz: denn dann merke ich, dass die kleinen Chefs ja da sind. Die mag ich sehr, die machen nämlich immer lustige Dinge mit mir. Und sind vor Allem wesentlich leichter von meiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Jedenfalls manchmal.

Und wenn der Chef dann plötzlich wieder auftaucht, bin ich oft so müde vom Spielen und meiner Erziehungsarbeit, dass ich bitte sofort mit einem Chef-Fuß in mein Körbchen möchte.