Der Chef hat das Wetter kaputt gemacht…

Ich bin ja eigentlich überhaupt nicht anspruchsvoll, was das Wetter draußen angeht. Ein paar klitzekleine Voraussetzungen müssen halt erfüllt sein, damit dackel gut gelaunt, freudig erregt und energiegeladen die Ausflüge in die weite Welt genießen kann. Da verlange ich doch wirklich nicht viel, finde ich. Leider habe ich aber ganz oft Grund, unzufrieden zu sein. Heute zum Beispiel. Warum der Chef sich um dieses Thema nicht anständig kümmert, ist und bleibt mir ein Rätsel. Sonst besteht er doch immer darauf, alles in seine beiden Hände zu nehmen und seinen menschlichen Dickkopf durchzusetzen, statt einfach mal meinen vier Pfoten und meinem intelligenten Dackelhirn die Entscheidungsgewalt zu überlassen. Ich sehe ja so oft, was dabei rumkommt, wenn der Chef Entscheidungen alleine trifft: die Ergebnisse sind aus Dackelsicht sehr oft definitiv noch ausbaufähig. Er sieht das natürlich (immer!) völlig anders – das ist ein weiteres Symptom einer weit verbreiteten Zweibeinerkrankheit, da bin ich mir mittlerweile sicher. Ich nenne es:

Völlige menschliche Selbstüberschätzung bei totaler Unfähigkeit und gleichzeitiger Leugnung der bekannten Dackelkompetenz.

Beim Wetter habe ich noch nicht heraus gefunden, wie ich das selbst beeinflussen kann. Sonst hätte ich diesen Part schon längst selbst übernommen. Und ich bin ja auch der Meinung, dass in jeder guten Erziehung dem zu Formenden ein wenig Freiraum zugestanden werden muss: ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern.

Seit ich meinen Chef erziehen darf, gebe ich mir die größte Mühe, ihm meine Vorlieben (und natürlich auch die No-Gos!) mitzuteilen. Allerdings beiße ich in diesem Punkt bei der Erziehung meiner Zweibeiner auf Granit… So langsam glaube ich ja fast, sie wollen mir da einfach nicht zuhören…

Ich liebe trockene Wege, Wind und angenehme Temperaturen. Und da bin ich schon wirklich großzügig: die mir genehme Temperaturspanne umfasst immerhin den Bereich zwischen -2 und +10 Grad Celsius. Ich finde das durchaus großzügig.

Das aller-, aller-Wichtigste: kein Wasser von oben!

Das ist für Dackel wie mich nicht bekömmlich – vermutlich sogar gefährlich! Sollte mein Fell tatsächlich einmal (von mir ungewollt) nass werden, ruft das auf der Stelle eine stundenlang anhaltende äußerst schlechte Laune und ein vermutlich lebensbedrohendes Absinken meiner Körpertemperatur hervor. Dem vermeintlich sicheren Tod kann ich dann nur noch durch sofortige Verweigerung („Ich muss gar nicht raus!“ oder „Ich will SOFORT nach Hause!“) und anschließendem akut erhöhten Leckerchenbedarf und natürlich Trockenkuscheln in den sauberen Kissen und Decken meines größten Körbchens (der Chef nennt es gerne „mein Bett“) oder auf dem Sofa entgehen. Jedenfalls hat das bisher immer einigermaßen und nach geraumer Zeit meine Lebensgeister zurück gebracht. Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Glück, dass ich die ungewollte Feuchtigkeit überlebt habe: wer weiß das schon…?

Trotz meiner ganz deutlich kommunizierten Vorgaben klappt das mit dem Chef und dem Wetter aber einfach nicht. Der Chef ist so anstrengend: der will dauernd und immer raus. Und ich muss dann mit. Er tut dann so, als freue er sich über den Sonnenschein und die 15 Grad im Frühling – und scheint völlig zu ignorieren, dass sich meine Lauffreude angesichts dieser tropischen Temperaturen auf ein absolutes Minimum reduziert.

Klar, auch ich liege gerne in der Sonne. Ungefähr drei Atemzüge lang.

Eine Seite…

Dann muss ich sofort in kühlere Gefilde wechseln. Um dann, wenn ich wieder abgekühlt bin, meine andere Körperseite drei Atemzüge lang dieser unglaublichen Hitze auszusetzen.

andere Seite…

Heute war es ganz furchtbar: erst fiel Wasser vom Himmel – und ich musste trotzdem hinaus. Gut, ich „musste“ auch. Dringend. Aber ich war selbstverständlich zu keinem weiteren, unnötigen Schritt bereit und meine Laune sank in Bruchteilen von Sekunden auf den absoluten Tiefstand.

Und dann, als endlich die große Runde anstand: war immer noch alles nass und es war sooo warm, es war deutlich über 10 Grad, bestimmt 14 oder gar 15! Tja, da lässt meine Laufbereitschaft eben deutlich nach – das habe ich dem Chef auch ganz klar kommuniziert. Wie immer: erfolglos. Ich bin einfach zu klein, um mich mit bloßer Kraft zur Wehr zu setzen. Aber ich bin ein Dackel: ich arbeite subtil und bin definitiv ausdauernder. Glaubt mir: der Chef hatte keine große Freude an seinem (unserem!) Spaziergang (eigentlich war es mehr ein „Spazieren stehen“, da ich wegen der Hitze sicherheitshalber großen Wert auf umfassende, zeitintensive und körperlich nicht so belastende Blümchenuntersuchungen legte).

Zum Glück bin ich nur temporär nachtragend. Kuscheln geht eigentlich immer.

Der Chef bekommt nachher eine neue Chance, das Wetter angenehm für Lucy´s zu gestalten. Ich hoffe für ihn, dass er sie diesmal nutzt.