Der Bandscheibenvorfall – Mottes Geschichte… Teil I

Eine große Sorge des Dackelpersonals ist die gefürchtete “Dackellähme”. Ich wollte mich irgendwann hinsetzen und meine Erinnerungen an unsere böse erste Zeit nach dem Bandscheibenvorfall niederschreiben. Nun habe ich es getan…

Diese Dackelkrankheit war an sich und vor noch gar nicht so langer Zeit oft ein nicht weiter hinterfragtes Todesurteil für Hund.

Ich bin einfach nur eine Dackelmama, deren geliebten Hund es leider getroffen hat. Und ich habe leider – gerade in der “Erkennungsphase” – wahrscheinlich einige Fehler gemacht, wie ich heute meine.

Vielleicht kann ich durch meinen Post einige Hunde vor einem vorschnell gefällten negativen Urteil bewahren. Und für alle anderen Betroffen zeigt es vielleicht: Ihr seid nicht allein…

“Jeder Jeck ist anders”, sagt man in Köln.

So ist es vermutlich auch bei unseren geliebten Krummbeinern. Ob Mottes Symptome typisch sind oder andere Hunde ganz anders reagieren – ich persönlich weiß es nicht. Dennoch hilft es vielleicht, wenn ich meine Erfahrungen niederschreibe – denn vielleicht kann ich damit den ein oder anderen Dosenöffner für gewisse Signale sensibilisieren – und eventuell auch Fehler ersparen, die ich wohl gemacht habe.

Motte kam erst im Alter von einem Jahr zu uns. Aus einer Haltung, die sicher nicht schlecht war – aber eben auch nicht wirklich menschenbezogen.

Motte kannte nicht viel von dem, was ich selbst mir unter “Familienhundhaltung” vorstellte. Die Fütterung in der Züchterheimat war natürlich in meinen Augen nicht optimal – aber es kann doch eigentlich sowieso niemand besser machen als ich selbst, oder?

Der Züchter fütterte Trockenfutter von verschiedenen Marken; was halt gerade im Angebot war. Wir bekamen daher kein Futter mit, sondern lediglich den Hinweis, dass es eigentlich egal sei, welches Trockenfutter wir dem Hund vorsetzen würden – der Dackel sei an wechselnde Futtersorten gewöhnt.

Gut. Abgesehen davon, dass der süße kleine Dackel überraschend schnell sehr wählerisch wurde, empfand ich das als eine entspannte Ansage. Bis die ersten Verdauungsschwierigkeiten aufkamen. Also eigentlich waren es zunächst Schwierigkeiten für mich… Wenn der Dackel nervös war oder in ungewohnter Umgebung, stellte er das Fressen des angebotenen Futters ein (bis heute bin ich der Meinung, dass sich Motte irgendwie anders den Magen gefüllt hat…). Ich testete also als gute Dackelmama diverse Sorten von diversen Herstellern. Und Motte zeigte mir sehr deutlich, dass nicht ich diejenige bin, die bestimmt, was vom Hund gefressen wird…

Natürlich dachte ich damals, ich säße am längeren Hebel. Und gab meinem schlechten Gewissen dann doch immer wieder nach und besorgte ein anderes Futter. Verdauungsschwierigkeiten schob ich natürlich auf die vermutlich ungesunde Zusammensetzung des Trockenfutters. Und lobte insgeheim meinen klugen Hund für seine Schläue, das Futter, das offenbar Bauchweh verursachte, nicht mehr zu fressen.

Erst jetzt, im Nachhinein, kam mir der Gedanke, dass die Bauchschmerzen nicht immer nur etwas mit dem Futter zu tun haben müssen.

Aus heutiger Erfahrung weiß ich, dass es Motte manchmal schwerfiel, zu “drücken”.
Wenn ein Dackel das große Geschäft erledigt, krümmt er den langen Rücken. Wenn dieser allerdings weh tut, wird es natürlich vermieden. Sorgt in der Folge für Verstopfung.
Und das ist auch der Grund für diesen kleinen Exkurs zum Thema Dackelfutter – ich glaube heute, dass sich Mottes Rückenprobleme schon länger angedeutet hatten – ich aber die Zeichen vielleicht falsch gedeutet habe.

Zur eigentlichen Geschichte:

Motte wollte eines Tages auf dem wie immer ersehnten und erwarteten großen Spaziergang nicht laufen. Sonst war sie immer weit vor mir – an diesem Tag dümpelte sie langsam hinter mir her. Ich schob es zunächst auf das Wetter – es war Anfang Juni und schon sehr warm. Ich tat es zunächst unter: “jeder hat mal einen schlechten Tag” ab. Sie lief langsam und unwillig – aber völlig normal, ohne Lähmungserscheinungen. Wieder zu Hause, ließ sie sich den harten Bauch kraulen; wollte dann Ball spielen, ließ sich tragen und hochheben – ohne Schmerzanzeigen. Für mich ein Zeichen, dass es (wieder einmal) nur Bauchweh war. Und ich dachte mal wieder über das Hundefutter nach.

Natürlich wusste ich auch schon damals, dass Springen für Dackel ein No-Go ist. Ich war vor Motte mit zwei Dackeln aufgewachsen, die immer und überall herumsprangen und Treppen liefen – nie ist etwas passiert – aber einen nervösen Magen hatten beide. Also alles halb so schlimm – dachte ich. Motte ging es ja gut – bis auf die Verdauungsstörungen… , die sie aber als schlechter Fresser häufig hatte, seit wir uns kennen lernten.

Heute reagiere ich ganz anders – ich habe lernen müssen.

Da ich ja wusste, dass Motte manchmal Bauchweh hat, kraulten wir also den Bauch. Der Dackel nahm es dankbar an und lief am nächsten Tag wieder fast normal (nicht ganz so schnell wie sonst, aber sie war aufmerksam und lief vor allem “rund” – zumindest für meine Laienaugen). Es war immer noch sehr warm und ich schob es auf die allgemeine Trägheit, die sich bei Hitze ja nunmal einstellt. Und dachte weiter über ihre Fütterung nach. Als Motte am folgenden Tag dann allerdings wieder nur sehr langsam hinter mir her dackelte, fuhr ich abends mit ihr zum tierärztlichen Notdienst. Denn sie hatte keine (von mir bemerkte) Verdauung und ich machte mir deshalb Sorgen. Vermutlich wegen meiner vorgefassten Diagnose, der Beschreibung meiner beobachteten Symptome, wegen des harten Bauches und aufgrund des wieder einmal gerade gewechselten Futters wurde auf eine Unverträglichkeit getippt (Motte hatte keinerlei Lähmungserscheinungen und äußerte nach wie vor auch keine Schmerzlaute beim Hochheben!). Ich bekam magenberuhigende Medikamente für den Dackel.
Da es am nächsten Tag (für mich) immer noch nicht signifikant besser war, fuhr ich wieder zum Arzt, diesmal zu meinem Tierarzt. Der den “Dackel” sah und das böse Wort “Bandscheibenvorfall” in den Raum warf…

Für mich ein Schock. Bandscheibenvorfall.

Dackellähme. Das böse Wort.

Der Dackel bewegte sich übrigens in der Praxis, als sei nichts. Dennoch wollte mein Tierarzt röntgen, um zumindest zu sehen, ob es Verknöcherungen in der Wirbelsäule gibt. Einen akuten Bandscheibenvorfall kann man über Röntgen alleine nicht feststellen, nur über ein MRT, das aber bei uns in der Gegend damals nicht möglich war. Die Bilder waren niederschmetternd für mich. An der Wirbelsäule konnte man einige Verknöcherungen sehen, die zumindest den Verdacht, es könnte etwas mit den Bandscheiben zu tun haben, nahe legten. Die Vermutung, dass es sich um einen Vorfall und nicht um reine Verdauungsschwierigkeiten handelte, lag sehr nahe. Daher wurde Motte “gequaddelt”. Sie bekam bestimmte Spritzen, die als nicht-operative (konservative) Maßnahme bei einem leichten, frischen Bandscheibenvorfall teilweise recht gute Wirkung erzielen können (sie hatte ja keine Lähmungserscheinungen – und auch offenbar keine Rückenschmerzen..). Und ich sollte sie weitere zwei Tage beobachten. Es änderte sich nicht viel, sie zeigte nach wie vor keine Ausfallerscheinungen im Gangbild, war zwar schlapp (hier machten mir die herrschenden Außentemperaturen die Abgrenzung zwischen sonnenfaul und möglichen Schmerzen ein wenig schwer) und war sonst frech wie immer. Der Bauch war nach wie vor hart – aber sie setzte wieder Kot ab.

Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich hier nicht alles medizinisch korrekt darstelle. Ich bin Laie auf dem Gebiet – habe vielleicht nicht immer alles richtig verstanden und vor allem aus der Erinnerung jetzt auch nicht richtig wiedergegeben. Es fällt mir schwer, mich an diese Zeit zu erinnern, denn ich weiß, dass ich Motte vermutlich einiges Leid hätte ersparen können, wenn ich selbst besser informiert gewesen wäre… Eigentlich traurig, ich weiß.  Aber ich musste mich als Laie ja auf die Diagnose der Arzte verlassen – die wiederum auf meine Symptombeschreibung angewiesen sind.

Ich sollte, wenn sich Mottes Zustand nicht innerhalb der zwei Tage (Wochenende…) gebessert hätte (Stillstand ist keine Besserung!), wiederkommen. Nun, ihr Zustand blieb unverändert. Wir waren am nächsten Werktag wieder in der Praxis – und wurden nun von dort aus direkt in die Tierklinik geschickt. Mit telefonischer Ankündigung als Notfall.
Dackel sind echt hart im Nehmen – in diesem Fall hätte ich mir ein wenig mehr Dackel-Wehleidigkeit gewünscht. Dann hätte ich vielleicht schneller reagiert…

Abgesehen von dem Schock, den ich bekam, als sich die für mich an sich so unwahrscheinliche Diagnose zu bestätigen schien, sortierte ich in Windeseile meinen Alltag um und fuhr sofort in die 100 km entfernte Klinik.

Dort angekommen, dachte ich immer noch an einen schlechten Scherz, denn der Dackel benahm sich überhaupt nicht krank. Motte zeigte nach wie vor keine für mich (als Laien) erkennbaren Lähmungserscheinungen, rief im Wartebereich der Klinik wie selbstverständlich alle anderen anwesenden Hunde zur Ordnung, wollte nicht auf den Schoß, sondern herumlaufen. Das Behandlungszimmer untersuchte sie gründlich, begrüßte freundlich alle Ärzte und Helfer… Und vermasselte die Gangprobe, die sie natürlich ohne erkennbare Ausfallerscheinungen meisterte. Aufgrund der Vorgeschichte wurde sie dennoch erneut gequaddelt (blödes Wort…). Ich wurde dort mit Medikamenten und dem Auftrag, wenn es nicht besser würde, am nächsten Tag wieder zu kommen, wieder weggeschickt. Was soll ich sagen – es wurde nicht besser. Bei der Morgenrunde am nächsten Tag knickte der Dackeldame plötzlich ein Hinterbein weg. Ich nahm den Dackel sofort ins Auto und fuhr wieder zur Klinik. Dort angekommen, zeigte Motte nun doch leichte Lähmungserscheinungen an einem Hinterbein.

Meine Gefühle, als ich meinen geliebten Hund in die Arme einer (eigentlich sehr netten) Klinikangestellten legen musste und ohne meine Motte den Raum verließ, kann ich nicht beschreiben, ohne dass mir erneut die Tränen kommen.
An die Worte, die mich über die Gefahren der OP aufklären sollten, kann ich nicht erinnern.
Ich war in Tränen aufgelöst, konnte nicht Auto fahren und blieb in den nächsten Stunden ebenfalls in der Klinik. Ein MRT wurde von Motte gemacht – und die Diagnose “Bandscheibenvorfall” bestätigt. Die OP fand direkt anschließend statt.

Die Erinnerung macht mich immer noch fertig. Ich muss mich erstmal sammeln….

Die Fortsetzung findet Ihr demnächst hier.

Die Kosten für die OP und den Klinikaufenthalt trafen mich nebenbei recht unvorbereitet – und waren ein weiterer Punkt, den ich plötzlich klären musste… Hätte ich, wie meine Freundin, für meinen Hund eine OP-Versicherung abgeschlossen, hätte ich heute vermutlich einige graue Haare weniger – zumindest, was das Finanzielle angeht…

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2 Antworten auf „Der Bandscheibenvorfall – Mottes Geschichte… Teil I“

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