Dackel-Memoiren – ein Einblick in unser neues Buch:

Ostern steht vor der Tür. Ein Osterfest, wie es die meisten von uns noch nie erlebt haben. Der Chef hat mehr Zeit als sonst und unterstützt mich tatkräftig bei meinen Memoiren. Da ich demnächst dackelige zwei Jahre alt werde und schon unglaublich viel erlebt habe, wird es Zeit, meine Lebensweisheiten als Buch zu veröffentlichen, finde ich! Da der Chef mit meinem Tempo, wie gewohnt, nicht mithalten kann, hat er sich entschlossen, euch schon mal einen kleinen Vorgeschmack zu geben. Mein Rudel und ich, Dackelprinzessin Lucy, wünschen euch frohe Ostern, viel Spaß beim Lesen und vor allen Dingen: Gesundheit!

Für Euch: ein kleiner Auszug aus unserem kommenden Buch:

Hier in meinem neuen Heim passierten dauernd spannende Dinge, Zeit zum Sinnieren war und ist knapp. Und eins merkte ich sehr schnell: es hat schon auch ein paar Vorteile, mit einem Spielzeug einfach mal in Ruhe spielen zu können, ohne dass dauernd irgendwer exakt dieses Teil auch genau jetzt haben möchte.

Sicherheitshalber und aus alter Gewohnheit schlang ich mein Futter, das genauso schmeckte wie im Rudel, immer in Rekordzeit hinunter. Eines mittags fiel mir dann auf, dass sich hier in meinem neuen Reich außer mir aber offenbar niemand für den Inhalt meines Fressnapfs zu interessieren schien. Ich unterbrach das Inhalieren des Napfinhalts kurzfristig und probehalber, ging also todesmutig und bewusst das Risiko des sofortigen Verhungerns ein und sah mich um: überraschenderweise stand niemand neben mir, niemand steckte seine vorwitzige Nase in meinen Napf, niemand schien sich für mich (und mein Futter!) zu interessieren. Hm. Eine wichtige Erkenntnis, die auf jeden Fall beobachtungswürdig war. Ich beeilte mich dennoch, mein Futter zu fressen – Momentaufnahmen sind schließlich keine dauerhaft geltenden Zustände.

Besondere Worte

Auch bei den folgenden Mahlzeiten, die erfreulicherweise regelmäßig stattfanden, hatte ich mein Futter für mich. Ich wurde nachlässig, nahm mir Zeit, die Bröckchen einzeln aus dem Napf zu nehmen und fraß mit Wonne. Das war natürlich ein Fehler, wie ich mir jetzt eingestehen muss. Denn sobald ich sichtbar entspannt zum Futternapf schlenderte, wenn ich das Knistern des Futterbeutels hörte, stellte sich plötzlich eins von den Zweibeinern zwischen mich und mein Lebenselixier. Überrascht sah ich auf: was sollte das denn…? Ein einzelnes, seltsames Wort blubberte aus dem Mund des großen Menschen: „nein“. Ich nahm es beiläufig zur Kenntnis, akzeptierte den Umstand, dass ich nun eben einen Umweg zum Futternapf machen musste und setzte unverdrossen meinen Weg fort. Überraschenderweise stand eben dieser Zweibeiner wie aus dem Nichts wieder in meinem Laufweg und sprach wieder dieses „nein!“. Dieses Mal meinte ich an seinem Tonfall zu erkennen, dass ihn irgendetwas offenbar aufregte – er bemühte sich, seiner Stimme einen festen Klang zu geben, zitterte aber leicht. Ich sollte in meinem weiteren Leben noch oft feststellen, dass Menschen in ihrer Kommunikation mit uns Vierbeinern sehr oft ein Sammelsurium aus Widersprüchen sind. Die Körpersprache sagt das eine, Sprache und Tonfall etwas ganz anderes.

Ich war also verwirrt, vergaß ganz kurz meinen gefüllten Napf, setzte mich und schaute mit großen Augen und hängenden Dackelohren das Möchtegern-Rudeloberhaupt fragend an. Sein Problem, falls er gerade eines hatte, erschloss sich mir nicht. Umso überraschter war ich von seiner Reaktion: scheinbar grenzenlose Freude. Dieser lange Mensch freute sich, weil ich mich zum Nachdenken hinsetzte und die Futteraufnahme ein paar Sekunden nach hinten schob (mein Mensch behauptet übrigens heute noch, dass man es mir ansähe, wenn ich nachdenke).

Eh ich mich versah, wurde mir ein sehr leckeres Dings in mein Mäulchen geschoben. Ich fand das sehr seltsam. Mein mit köstlichem Futter gefüllter Napf stand doch direkt vor mir – und der große Mensch fütterte mich noch zusätzlich…? Bei Gelegenheit würde ich darüber einmal intensiver nachdenken müssen, dachte ich bei mir. Für den Moment verschob ich das aber, denn der Weg zu meiner Futterschüssel wurde nun endlich freigemacht. Beiläufig nahm ich wahr, dass der Zweibeiner im Wegtreten auf meine Schüssel zeigte und zwei neue Worte sprach: „nimm´s dir“.

Fressen, endlich! Auch wenn man es mir aufgrund meiner Selbstbeherrschung vielleicht nicht deutlich ansehen konnte: ich stand definitiv kurz vor dem Hungertod, ein natürlicher Dauerzustand bei Dackeln, wie ja jeder wissen müsste. Daher beeilte ich mich, den Inhalt meines Futternapfes in mich hineinzuatmen. Ganz kurz drängte sich noch der Gedanke auf, dass es hier ja bisher niemanden gab, der sich für mein Futter interessierte – allerdings war ich nach diesem unerwarteten Spielchen wirklich nicht mehr sicher, ob das auch weiterhin so bleiben würde. Was ich hab, hab ich, dachte ich mir. Dass meine neuen Menschen sich sogar in dieses lebenswichtige Grundbedürfnis dauerhaft einmischen wollten, wusste ich damals noch nicht.

Wunscherfüllung aus Gewohnheit – das muss auf den Dackel-Prüfstand!

Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, dass vor jeder meiner lebenserhaltenden Mahlzeiten ein Zweibeiner im Weg stand, sich unbändig freute, wenn ich ihn vorher ansah und erst zum Futternapf spurtete, wenn ich mein Appetithäppchen bekommen hatte. Wir spielen dieses Spiel nun schon so lange, meine Menschen und ich – ich muss zugeben, dass ich mich nicht erinnern kann, wann dieses zusätzliche Leckerchen irgendwie in Vergessenheit geriet. Aus liebgewonnener Gewohnheit warte ich nun halt immer, bis der futterspendende Mensch diese magischen zwei Worte „nimm´s dir“ spricht. Auch wenn er mittlerweile gar nicht mehr im Weg steht. Wo ich gerade so darüber nachdenke: ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich auch bei meinen vielfältigen, oft mit köstlichen Dingen gefüllten Spielzeugen auf diese beiden Worte warte, bevor ich mich an die Eliminierung des Inhalts mache.

Zu viele Zugeständnisse

Ja, ich weiß. Das stellt eigentlich einen eklatanten Eingriff in mein dackeliges Selbstbestimmungsrecht dar. Bei Gelegenheit werde ich dieses menschenfreundliche Zugeständnis wohl mal überprüfen müssen. Leider fällt mir das aber immer erst hinterher ein, meist erst, wenn ich bereits gemütlich kaue. Ich habe mich ärgerlicherweise offenbar schon zu sehr an diese von Menschen eingeführte Routine gewöhnt. Zumindest hier drinnen. Draußen sieht das etwas anders aus: das kleine Wort nein verfolgt mich weiterhin. Häufig reagiere ich aus Gewohnheit sogar einfach darauf, ignoriere kurzzeitig spannende, köstliche Dinge und warte auf die folgenden Worte „nimm´s dir“.

Zwei Worte, die ich draußen allerdings noch nie gehört habe, wo ich jetzt darüber nachdenke…

Draußen ist anders, das habe ich schnell begriffen. Denn wenn meine Menschen mich nicht sehen, gelten viele dieser Menschenwünsche nicht oder haben zumindest keine unmittelbaren Folgen. Manchmal stocke ich trotzdem kurz und lausche, ob dieses kleine Wörtchen „nein“ innerhalb maximal einer Sekunde ertöntfalls nicht, entscheide ich weiterhin dackelgewohnt eigenständig und fresse, was immer ich gerade vor der Nase habe. Sicherheitshalber.

In eigener Sache:

Falls ihr noch ein kurzweiliges Geschenk für liebe Menschen zu Ostern sucht: Infos zu den beiden Büchern von und über Dackeldame Motte findet ihr hier.