Besorgungen machen oder: das Dackel-Diplom in der Menschen-Erziehungsarbeit

Zu meinem letzten Beitrag  „Shoppen mit (oder eher ohne) Hund“ erreichten mich einige Hinweise von Euch (vielen Dank dafür!): es gibt neben shoppen (grundsätzlich langweilig…) und einkaufen (darf ich nie mit) noch eine weitere grundsätzliche Unterscheidung: Besorgungen machen. Dies ist der wohl in Hundekreisen offiziell anerkannte Begriff für kurze Besuche in fußläufig erreichbaren Geschäften mit hoher Leckerchen- und Kraulwahrscheinlichkeit (Apotheken, Buch- und Schreibwarenläden z.B.). 

An manchen Geschäfts-Zweibeinern sehe ich noch deutliches Potential für Dackel- Erziehungsarbeit. Denn in einigen Läden werde ich zwar gestreichelt, aber mir wird dort leider (noch) nichts Essbares offeriert.  Klar, kraulen und bedauern ist toll – aber dank der nach oben offenen Dackel-Richterskala gibt es ja immer Steigerungspotential.

Natürlich bleibe ich dran – Ausdauer (oder Hartnäckigkeit) in der Menschenerziehung haben sich schließlich für mich als Hund schon immer ausgezahlt. Und ich weiß aus jahrelanger Menschen-Erziehungserfahrung, dass es irgendwann auch wie gewünscht funktionieren wird: dackelkonform eben.

Niemand, wirklich niemand, den ich bisher kennen gelernt habe, ist auf Dauer gegen einen Dackelblick resistent. Das baut mich auch bei temporären Rückschlägen immer wieder auf.

Das beste Beispiel habe ich jeden Tag vor Augen: ein Geschäft direkt nebenan. Einen Friseurladen (nebenbei ist dieser Laden eine Definitionsausnahme: ein Besuch dort fällt weder unter shoppen noch unter einkaufen – und Besorgungen machen kann man dort auch nicht wirklich). Nie darf ich mit, wenn der Chef sich ab und zu für ein paar Stunden dorthin zurück zieht – aber ich weiß genau, wenn er dort war: ich rieche es schließlich. Warum ich nie mit dem Chef dorthin darf, ist mir bisher ein Rätsel – vermutlich aber greift der Chef dann heimlich alle Leckereien selbst ab und meint, ich würde es nicht merken – schon irgendwie blauäugig, gemein und ein wenig hinterhältig von ihm…

Ist aber in diesem Fall nicht ganz so schlimm. In Köln sagt man: mer muss och jünne künne („Man muss auch gönnen können“). Wir gehen ja täglich mehrfach dort vorbei – und bei den meisten Zweibeinern, die regelmäßig dort sind, habe ich meine Erziehung bereits mit Auszeichnung abgeschlossen.

Ich muss nur vor der Glastür stehen und meine Nase an der Scheibe platt drücken: Dackel vor Geschäft

Schon springt mindestens ein Zweibeiner meines Zusatzpersonals auf, greift hinter die Ladentheke (natürlich, die Theke!) und schiebt mir ein wunderbares Lecker in mein ungeduldig geöffnetes Mäulchen. Meine kaum zu zähmende Ungeduld und manchmal dann eher unsanfte Art wird auf meinen offenbar akuten Futtermangel  und den daraus resultierenden Hunger geschoben – sogar in meiner Gier fast abgebissene Finger werden dann ignoriert – sehr zum (im ignoranten Nichts verpuffenden) Ärger des Chefs, der dann immer was von „Hallo? Wo bleibt deine gute Erziehung…?“ murmelt.  Bisher war er mit entsprechenden Ansagen und Erklärungen an die anderen Zweibeiner aber nicht erfolgreich – er ist ja (zu meinem Glück) auch nie wirklich konsequent… : ein weiteres Zeichen dafür, dass ich bei der Erziehung sowohl des Chefs als auch der meines Zweitpersonals alles richtig gemacht habe. Ich bin sehr stolz auf mich. Mittlerweile gibt es neben den normalen  Leckerchen sogar manchmal Fleischwurst! Ein tolles Geschäft, kann ich euch Vierbeinern nur empfehlen. 

Aber hallo: ich bin ein Dackel: ich kann natürlich zählen. Sollte tatsächlich nur ein Zweibeiner sein in Tücher eingewickeltes und offenbar freiwillig zur Unbeweglichkeit verdammtes Haarschneideopfer verlassen und zur Tür kommen, führe ich selbstverständlich eilig und ungefragt ein kleines Kunststückchen für die erwartete Leckerei auf (das Zweitpersonal liebt es, wenn ich mich z.B. in Rekordtempo um mich selbst drehe, „sitz“ und „platz“ ist wegen des Rollis ja  leider, leider nicht möglich…) und schaue dann sehr intensiv, fast schon hörbar, nach den anderen, mich offenbar ignorierenden und sich versteckenden Menschen.

Manchmal verstehe ich in dem obligatorisch zur Leckerchengabe dazuhörenden menschlichen Wortschwall Dinge wie „heute nicht hier, morgen wieder“ oder so ähnlich – aber das ist mir natürlich völlig egal. Selbstverständlich erwarte ich vom Personal (auch wenn es nicht direkt zu meinem Rudel gehört), einen gewissen Einsatz. Und dazu gehört auch meine erwartete und geforderte Aufmerksamkeit und natürlich auch die meinen Ansprüchen entsprechende Präsenz, wenn ich dem Geschäft (mehrfach täglich) meine Aufwartung mache. 

Zum Dackel-Programm gehört natürlich auch das „über die Füße rollen“. Die großen Pfoten der Zweibeiner stehen den Rädern meines Rollis eigentlich immer im Weg (und tun sie das zufällig mal nicht, ändere ich meine Lauf- und Rollrichtung sofort entsprechend. Meine Definition, meine Regeln…). Bisher waren die menschlichen Meckereien eher nachsichtig und wohlwollend – ich werde bemerkt, geschimpft hat bisher niemand. Also: ich habe, wie immer, alles richtig gemacht.

Mission „Aufmerksamkeit“ erfolgreich abgeschlossen.

 

Der Chef will manchmal, offenbar rein aus Schikane und aus mir unerklärlichen Gründen mit von völlig unsinnigen Ausreden gespicktem Blabla  an diesem Laden vorbei gehen: „Ist Sonntag, ist zu“, „ist abends, ist zu“ oder gar „die haben gerade keine Zeit für dich…“. Regelmäßig müssen wir dann kleine Machtspielchen vollziehen, die ich leider aufgrund meiner geringen Körpergröße zur Zeit noch oft verliere.

Ich stemme mich dann mit meinen beiden den Boden berührenden Pfoten in denselben und zeige meinen Unwillen ob des Weitergehens sehr, sehr deutlich. Leider werde ich dann aber oft einfach vorne hoch gehoben und weggerollt – absolut demütigend. Aber: ich arbeite daran und mir fällt auch hier schon noch eine Lösung ein. 

Liebe vier- und krummbeinigen Kollegen: Natürlich sind asphaltierte Wege und Geschäfte nicht zu vergleichen mit der Vielfalt, der Freiheit und den Möglichkeiten von Feld, Wald und Wiesen. Jeden Tag müsste ich shoppen oder Besorgungen machen auch nicht haben. Aber manchmal lohnt es sich, die Zweibeiner auch bei diesen Verrichtungen ohne Murren zu begleiten – gerade im Hinblick auf die dackel-eigenständige und vom Menschen unabhängige Versorgung mit gut schmeckendem Futter und Streicheleinheiten. Und im Zuge des Studiums der Zweibeiner sind solche Ausflüge sehr bildend.

Und schließlich muss dackel auch an seiner Fan-Performance arbeiten. Und ich sage Euch: sie lieben mich.

Wer weiß, wofür es gut ist. Stress mit dem Chef stehe ich jedenfalls mittlerweile sehr entspannt gegenüber. Ich weiß ja, wo es notfalls fast angemessen erzogenes Personal gibt.

 

 

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